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08/11/2017

Ludwig XVI

 

Am 21  Januar 1793, nachdem Ludwig XVI von der Königin, seiner Schwester Madame Elisabeth, seinen Kindern, der kleine Kronprinz Herzog der Normandie und Madame Royale seine Tochter, Abschied genommen hatte, wurde er zum Schafott geführt. Seine bewundernswerte Ergebenheit, seine Frommheit, seine Stärke in dieser Schicksalsprüfung wurden von Allen, seine Feinde einbegriffen, anerkannt. Stets war er ein sanftmütiger, ehrlicher, wohlwollender Mann bester Absichten und liebender Vater gewesen. Er war, mit einem Wort, ein guter König, der sein Volk liebte.

Was den beschleunigten Sturz von Ludwig XVI und, dadurch auch, den der katholischen Monarchie, betrifft, fanden Todesurteil und Hinrichtung nach Beendigung eines öffentlichen, vor der Konvention geführten Prozesses, am 11. Dezember 1793 statt, ein im voraus verlorenen Prozesses, angestiftet von Männern, die zugleich   Richter und Ankläger waren.

Abgesehen von der  historischen Tatsache,  dass die Revolution einen  ideologischen Sieg  über die geschlagene Monarchie gewonnen hat, ist es fortan nicht wunderlich, wenn  die Persönlichkeit Ludwigs XVI zutiefst von der post-revolutionären Chronik beleidigt und wie seine Vorfahren Ludwig XIV und Ludwig XV, als Dutzendmensch verrufen wurde. Die  offizielle Geschichte der Sieger, wenn ich sie so nennen darf, wollte mittels einer Karikatur der drei letzten Regierungszeiten unserer christlichen Könige,  der sogenannten "französischen” Revolution ein leichteres Spiel  ermöglichen .

Misstrauen wir also dieser “offiziellen” Geschichte und der ideologischen Anpassung, die sie befördert, auch ihrer Mythen, Legenden und freimauerischen Symbole, die nicht gerade Frankreich sondern sein Gegenteil verkörpern… Vergessen wir nie, dass die Feinde der Monarchie es unaufhörlich versuchen, das Teufelsflittergold mit Engelsgewand zu bekleiden, um  die Wahrheit zu verschleiern, diese Wahrheit, die uns befreien wird.

Darum schlage ich Ihnen heute vor, uns wieder aktuell in die Geschischte zu vertiefen, um die Persönlichkeit Ludwigs XVI und die ausschlagenden Momente seiner Regierungszeit besser fassen zu können. Auch seine Eigenschaften während der Schicksalsprüfung und der Tragödie, die, die  Königsfamilie wie flutartig in den Abgrund gestürtz hat. Dann, natürlich auch, seine Ohnmacht gegenüber dieser parlamentarischen Oligarchie, die schon unter Ludwig XV den Frieden des Reichs bedrohte. Aber auch seine allseits bekannte Faszination für die Begriffe der “Aufklärung », die den König unbewusst für eine Zeit lang dazu geführt hat, das katholische Gemeinwohl zu vernachlässigen, um, unter Zwang  von Seiten der Jakobiner und Ideologen, ein, auf strikte Realitätsverweigerung aufgebautes, utopisches Gemeinwohl, zu realisieren.

Zur Rechtfertigung, werden wir es  fürs erste, folgerichtig und bestmöglich versuchen, die Gründe dieser Ohnmacht, zu verstehen, die den König völlig wehrlos vor dem intellektuellen Kampf, nebst  der Wahrnehmung der  körperlichen Zerstörung, lassen wird. Dann, am Ende dieses  ersten Teils, was die Kindheit, so auch die ungeschickten politischen Entscheidungen des Königs betrifft, werden wir uns eingehender mit dem Zeitabschnitt beschäftigen, der die Geschischte  von   der Flucht von Varennes bis zum Schicksalstag des 21sten Januar 1793 umfasst, an dem der Märtyrerkönig schliesslich auf dem Revolutionsplatz, ehemalig place Louis 15, heutzutage place de la Concorde in Paris, ( Platz der Eintracht) ermordet wird. 

Zunächst, ist es zu es bemerken, dass Ludwig XVI, geboren am 23 August 1756 von Louis, dem französischen Thronfolger und Marie- Josèphe von Saxen, nicht zum Regieren bestimmt war, weil er einen älterer Bruder hatte. Auf Grund einer Reihe von Schicksalsschlägen, die die Nachfolger von Ludwig XV betreffen wird, fand sich Ludwig XVI dazu veranlasst, die königliche Krone, die nicht für ihn bestimmt war, wider Erwartung, aufzusetzen. Der Rang als  Zweitältester wird  unumgänglich, in seiner Kindheit eine bedeutende Rolle spielen. Er wird eine etwas “unvollkommene” Erziehung bekommen. Er ist nicht dazu vorbereitet worden, Macht auszuüben, sondern sich einer Macht zu unterwerfen, die, seines älteren Bruders, einer starken Persönlichkeit, der zu früh gestorben ist und der ihm von seinen Eltern immer als unübertreffliches Modell dahingestellt worden ist. Seltsamerweise, liebte Ludwig XV seinen verstorbenen Sohn und  Enkelsohn. Diese Liebe blieb Ludwig XVI seltsamerweise vorenthalten. Die Geschischte enthüllt uns auch einen erwiesenen Übertragungsmangel. Der GroBvater Ludwigs XVI, hatte ihm den eigentlichen, sehr christlichen Geist der Macht nicht übertragen, diesen Geist der Macht, der eben eine der wesentlichsten Stärken der Erbmonarchie, ist. Andererseits, kann man, während der Regierungszeit Ludwigs XV eine empfindliche Lücke finden, die, während der Regierungszeit  Ludwigs XVI eine maßgebliche Rolle spielen wird. Wenn Ludwig XV, die, von den parlamentarischen Forderungen  ausgehende, bedingte Gefahr erkannt hatte, so nahm er doch die, vom philosophischen Dunstkreis eines Voltaire, Rousseau, d’Alembert und vieler anderer, ausgehende bedingte Gefahr nicht wahr. Ludwig XV hatte auf so schlimme Weise Unrecht, wie es nur ein König haben kann, den zu einer angemessenen Reaktion auf diese philosophische Verschwörung kam es daher nicht. Es ist aber notwendig, sich dieser Tasache zu besinnen, wenn man auf wirksame Weise manche Lehren aus der Geschischte ziehen will.

Eine weitere schwache Seite Ludwigs XVI besteht darin, dass er nach Fenelons Prinzipien erzogen worden ist, Fenelon, der von einem friedlichen, sanftmütigen, demokratischen König traümte. Es wäre notwendig das Buch “L’Examen de conscience sur les devoirs de la Royauté” (Gewissenserforschung über die Pflichten des Königtums) zu öffnen und  die Lektüre weiters mit   "Les aventures de Télémaque » , zu ergänzen und dann eventuell einen Blick in « Les Tables de  Chaulnes » zu werfen, um  Ludwigs XVI eigentlichen Begriff seiner Funktion erfassen zu können.  Wie soll  der König  nach Fenelon  sein ? Fenelons König ist vor allem sittsam, gutmütig, väterlich : er ist der Vater seiner Untertanen. Dieses Thema ist nichts Neues : all das ist sehr traditionell. Doch ist Fenelons König merkwürdigerweise ein König, der sein Amt nicht mag. Dieses Amt soll eine so schwere Bürde sein, dass, der, der ihr obliegt, als Unglückseliger betrachtet werden muss. Das ist ein gefährlicher Begriff. Fenelon beharrt sehr auf das Unglück König zu sein, auf die Königswürde, die eine Last, eine mühselige Last ist. Damit sind wir weit entfernt von  Ludwig XIV, der von den höchsten Freuden des Königsamtes spricht. Dagegen steht Ludwig XVI ganz im Widerspruch mit seinem “ le Malheur d’être Roi » ( Das Unglück König zu sein), einer Formel, die auch in seinem Testament niedergeschrieben ist.

Wie schon erwähnt, ist dieses Amt, für LudwigXVI, eine auferlegte Last. Auch, wenn dieses Amt ihn belastet, führt er es troztdem gewissenhaft, aus. So lautet also, mit einem Wort, der Begriff der Königswürde Ludwigs XVI, der, der traditionellen Erziehung der Capétiens widerspricht, einer Erziehung  bei dere ein König Kaltblütigkeit, Realitätssinn und, wenn nötig, seine Macht beweisen muss Bei der Durchsetzung  dieser neuen politischen Doktrin geht es um nichts weniger als letzlich, eine starke Oligarchendosis in die traditionelle Monarchie einzuführen. Indem die Parlamente des 18ten Jahrhunderts sich auf Fenelons und Boulainvilliers Doktrinen berufen haben, haben sie sich gegen die Macht des Königs gestellt und die Monarchie lahmgelegt. Die Macht des Königs von Frankreich benötigt keine institutionalisierte Gegenmacht. Diejenigen, die, in der Vergangenheit oder in der Gegenwart das Gegenteil behaupten, und ich denke hier insbesondere an die Orleanisten, versuchen doch nur diese Macht zu kontrollieren und sie letztendlich, an sich zu reißen. Darin besteht das ganze Grundprogramm der Revolution, zuletzt auch das der Nation, die sich schließlich nach und nach von der königlichen Macht emanzipiert und sie entgültig abschaffen wird. Auf Grund dieser Belege, sehen wir, dass Ludwig XVI am Anfang seiner Regierungszeit sich  ziemlich durchlässig für die Aufklärung zeigt, aber, man muss hierbei auch unterstreichen, dass der König dem mehr traditionellen Begriff der Monarchie, ebenfalls Wert beigemessen hat. In Folgedessen, können wir in ihm mehrere, gegensätzliche, intellektuelle Einflüsse erkennen.

Das also waren die Standpunkte die, wie Sie wohl verstanden haben, nicht zu Gunste des Königs sprechen. Nun, nehmen wir die positiven Punkte in Augenschein. Man hat sich viel über die Leidenschaft für das Handwerk der Schlosserei Ludwigs XVI lustiggemacht, aber in Wirklichkeit dominieren  ganz deutlich seine intellektuellen Fähigkeiten. Er ist ein sehr gebildeter, intelligenter Mann, der viel liest und während seiner Gefangenschaft im Tempel sogar viel. Wir wissen, dass er eine ganz bemerkenswerte Menge an Büchern verschlungen hat. Der doktrinale Korpus des Königs umfasst sehr traditionelle Begriffe wie zum Beispiel, dass die Monarchie ein sakrales Ministerium  ist und dass ein ein König infolge seiner Krönung zu seiner Würde erhoben worden ist der er mit Leib und Seele angehört, und die sebst dazu führen kann, dass er im Falle dessen Aufgabe sein Leben opfert. Gerade dieser Begriff, wird in den letzten Monaten seines Lebens in den Vordergrund treten. Der Schicksalsschlag, den er ab 1789 ertragen muss, führt in ihm zu einer inneren Wandlung. Ludwig XVI erfuhr eine Art von Bekehrung. Der gute  Christ, der er war, wird sich selbst übertreffen, sich zu Gott wenden und infolgedessen der Krönung und dem Begriff des geopferten Königs seinen wahren Sinn verleihen, dem eines Königs, der dazu  bereit ist, sich für sein Königtum zu opfern. Ich werde nicht länger hier verweilen. Wir werden gleich die Gelegenheit haben, Lezteres ausführlicher auszulegen.

Weil Ludwig XVI während der Regierungszeit seines Vorfahren Ludwig XV, von den königlichen Staatsangelegenheiten ferngehalten wurde, war er sich seiner Unerfahrenheit zutiefst bewusst. In friedlichen Zeiten, wäre er ein hervorragender König gewesen, der mit schon vor längerer Zeit festgelegten Regeln eine, mit Hilfe unumstrittener Institutionen, weise ausgeübte Macht ausgeübt hätte, weil er scharfsichtig und mit guten Neigungen ausgestattet war. Ludwigs XVI  erster Akt  am Anfang seiner Regierungszeit war Maurepas, zu wählen. In dieser unseeligen Wahl  können wir  Fenelons Einfluss entdecken. So steht er  also  unverzüglich in der Gewalt eines  sehr schlecht beeinflussten Staatsministers und  Präsident des königlichen Finanzrates, Maurepas, der, wie sie wissen, jene Parlamente immer wieder gerufen hat, die es immerzu verhindert haben, dass jegliche Reform zur Rettung der königlichen Staatswirtschaft zustande kam. Eine allgemeine Besteuerung hätte schon am Anfang der Regierungszeit Ludwigs XIV bestimmt werden sollen. Trotzt aller Beschwerden die man ihr anlasten kann, war die Monarchie längst nicht imstande über dieselben steuerlichen Geldmittel unseres heutigen Staats zu verfügen. Die schlechte Lage dieser Staatswirtschaft wurde noch dazu durch den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg verschlimmert. Dieser amerikanische Unabhängigkeitskrieg war in der allgemeinen Meinung, in den Salons, in den freimauerischen Logen und bei den Enzyklopädisten ein sehr populärer Krieg. In diesem Punkt hat Ludwig XVI auch der allgemeinen Meinung nachgegeben. Dieser Krieg hat eine Milliarde und  zweihundert Millionen gekostet und diese erborgten Milliarde und zwei hundert Millionen, plus zwei Milliarden an bereits vorhandenen Schulden  haben das Königreich an den Rand des Bankrotts geführt.

Maurepas und Turgots  als Minister offenbarten erstmals die Machtergreifung von der Ideologie der Aufklärung. Turgot war ziemlich übler Ideologe. Sein Ediktbezüglich der Getreidehandelsrechte hat eine gewaltige spekulative Bewegung und den “Streit ums Brot” verursacht. Als fanatischer Verfechter dieser materialistischen Politik, für die die Volksregierung nur Geld, Handel, Getreide und Steuern bedeutet, war Turgot sehr stolz der Anführer einer Sekte  zu sein, der er eigentlich nur als Werkzeug diente. Die Ideologen der Aufklärung, die nun an der Macht sind, wollen ihre Ideen aufzwingen, koste es was es wolle. Ideen, die sie für untrüglich gut halten, die es ihnen ermöglichen, “Gutes zu tun”. Diese Ideen sind eben das Richtige. Und, wenn es troztdem einmal nicht gut verlaufen sollte, kann die Schuld nicht an den Ideen liegen, sondern ausschliesslich an den Übeltätern die sich dagegen verschworen haben, dass die Dinge  einen schlimmen Verlauf genommen haben. Und sollte das Volk das nicht begreifen, muss man eben das Glück gegen den Willen dieses Volkes schmieden. So weit  also, zu den Ideen, die wir 1789  wiederfinden werden.

Turgots experimentelle Methode ist ein Misserfolg und deswegen, wendet sich Ludwig XVI von der Aufklärung ab, obwohl er  noch immer der einen oder anderen Ideen anhängt. Ludwig XVI ist gegenüber der öffentliche Meinung sehr empfindsam auch sehr darauf bedacht über die  Stimmung im Volk Bescheid zu wissen.. Leider besteht diese öffentliche Meinung von 1774 bis 1789, nur aus dem königlichen Hofstaat, der Stadt, der französischen Akademie und den Provinzakademien, den Salons, den Lesesäalen, den freimauerischen Logen, die  Augustin Cochin später so genannte “Les sociétés de  pensée” “die Denkergesellschaften” also die Intellektuellen nennen wird, wo sich nur Leute befinden, die ganz und gar von der Philosophie der Aufklärung  geprägt sind. Im grossen ganzen, sind es nur wenig Leute. Infolgedessen läuft Ludwig XVI  Gefahr, von seiner eigenen Umgebung manipuliert zu werden. Gerade weil Ludwig XVI auf die öffentliche Meinung, mit der er regieren will, viel Wert legt, wird diese die wichtigsten Entscheidungen seiner Regierungszeit  beeinflussen.

Die  folgenschwere  Entscheidung  die Ludwig XVI  unter  dem Druck der öffentlichen Meinung, zu lezt  getroffen hat, ist die der Einberufung der Generalreichstände im Jahr 1788. Damit ist Ludwig XVI sehr unvorsichtig gewesen. Er hat es vesucht, seine Reformen vom Parlament absegnen zu lassen. Aber das Parlament hat sich Zeit gelassen und letzendlich nur einen Teil der Reformen angenommen und hat dem König das Versprechen abgerungen, dass er die Generalreichstände noch vor 1792 einberufen würde. Das war sehr unklug. Zu diesem Zeitpunkt hätte Ludwig XVI die Geistesgegenwärtigkeit gebraucht, den Mut zu einem Gewaltstreich  zu finden. Mit einem Wort, er hätte einfach seine Macht behaupten sollen. Ein Vergleich mit Bonaparte ist natürlich abgedroschen, doch Bonaparte wird an einem bestimmten 18 Brumaire (Nebelmonat, 2. Monat des Kalenders der Französischen Revolution) z.B nicht solche Skrupel  haben. Mit der Zeit hat Ludwig XVI es endlich  eingesehen, in welchen Maßen er von allen Seiten getaüscht worden ist und  erst recht, als die Religion und zwar das göttliche Gesetz besonders betroffen waren.  Ziel war es,r die Macht des Königs und die katholische Kirche zu zerstören, letztlich notwendig zum Gemeinwohl. Die Generalreichstände von denen Niemand Anfangs 1787 sprach, sind dann Anfang des nachfolgenden Jahres  in aller Munde. Nun ist der König  nicht mehr Herr der Lage. Im August 1788, wird Ludwig XVI dazu gezwungen, die Einberufung der Generalreichstände für den 1. Mai 1789, anzukünden.

Es ist jedoch sehr unvorsichtig die Generalreichstände zu versammeln. Andererseits ist es ganz deutlich, dass die enzyklopädische Partei, die, ab 1788 zur patriotischen Partei wird, die Salons, “ die Denkergesellschaften”, sich nicht mehr mit einer traditionellen Versammlung der Generalreichstände zufrieden stellen wollen. Der Tradition nach, waren die Generalreichstände eine Art  Hoher Ratsversammlung, die nur der König einberufen konnte, und  der er Gehör schenkte indem er sich das Beschwerdenregister ansah, bevor er, auf Ehre und Gewissen, seine Entscheidung  souverän, fällte. Für die Denkergesellschaften sollten diese Generalreichstände  zu einer Nationalversammlung werden, eine Tagung der Nation, die sich nicht nur mit einer beratenden Funktion zufrieden stellen wird. Ludwig XV hatte das schon bereits geahnt. Jedesmal, wenn die Generalreichständen zur Sprache kamenwurde Ludwig XV sehr zornig. Eines Tages,- es war die Stunde des  zu Bett Gehens des Königs-,  hatte ein Höfling zu Ludwig XV gesagt :  “ Ach Sie werden es erleben, dass all dieses Wirrwar den König dazu zwingen wird, die Generaslreichstände einzuberufen.” Das war 1769-1770, als die Parlamente viel Unruhe stiffteten. Was hatte der Höfling da zu sagen gewagt ! Dieser sah, wie der König sich mit einem dunklen Blick auf ihn stürzte, ihn beim Arm fasste und ihm sagte : “ Monsieur, ich bin nicht blutrünstig, aber, hätte ich einen Bruder , der solchen Ideen Ausdruck verleihen würde, würde ich ihn auf der Stelle  um des Friedens Willen des Königreichs opfern. “ Ludwig XV war sich ganz und gar, dessen bewusst, dass während der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts, eine Zeit die noch nicht reif dafür war, die Generalreichstände zu einer unberechenbaren Institution werden könnten. Die Generalreichstände einzuberufen, wäre also sehr unklug gewesen. Ludwigs XVI entschiedene Einberufung  der Generalreichstände wird den Ausbruch der Revolution fördern und Schauplatz einer Gegenüberstellung von König und neuen Ideen werden.

Die Logik der Revolutionäre stellt einen Bruch mit der Vorstellung vom Menschen auch einen Bruch mit der Vorstellung von der Gesellschaft. Die Gesellschaft kommt dem Menschen nicht mehr natürlich vor, die Familie ist ihm nicht mehr natürlich, die Macht und die Hierarchien sind ihm nicht mehr natürlich. Für die Enzyklopedisten besteht die Gesellschaft aus seinzelnen Mitgliedern, die sich durch Vertrag zusammensetzen. Der Mensch ist ein isoliertes Einzelwesen. Und mit solchen Ideen, glauben sich die Revolutionäre geeignet, die katholische Kirche Frankreichs, durch eine zivile Kirchenverfassung des Klerus reformieren zu können. Auf diese Weise wird der Staat zu  einer übergroßen Macht, die den Menschen nach Belieben formt, um es mit Tocqueville zu sagen. Der Mensch ist nicht mehr Abbild Gottes ; er ist nur noch mehr Materie, mit der man verfahren kann, wie man will. Und wenn es wirklich nicht möglich ist, die Natur des Menschen zu verändern, oder falls gewisse Individuen sich nicht verändern lassen, wenn die Propaganda nicht ausreichend wirkt, wenn also die revolutionären Unternehmungen nicht ausreichten, und der revolutionäre Zeitplan nicht langt, dann genügt es das schwache Menschenmaterial zu zerstören. Das wird in der Vendée die infernalischen Säulen besorgen, das wird den Terror besorgen.

Welches sind die Waffen, die die Revolutionären verwenden, um den Feind zu besiegen, den Sieg für die Ideologie zu erringen und anschließend den Machterhalt und deren Ausübung ? Systematische Lügen, den Feind unglaublich zu machen, der als schändlich darzustellen ist, physische Einschüchterungen, und man wird Versammlungen sehen, wo die Bevölkerung auf den Tribünen vorgeführt wird, und die Abgeordnenten am Ausgang zum Tode verurteilt sind. Ab Juni 1789 ist man bei der Einschüchterungsprozessen dieser Art behilflich.

Im Jahr 1789 hat Ludwig XVI,  diesen  revolutionären  Gegnern die Stirn bieten  müssen . Ab 5. Mai  1789, ist er aus mehreren Gründen den Dingen nicht mehr gewachsen. Erst einmal wendet sich  Ludwig XVI an die Revolutionäre als wären sie “die Stellvertreter der Nation”, was die patriotische Partei in ihrer Stellung bestärkt ; andererseits setzt er den Generalreichständen leider keine klaren Linien fest. Aus welchem Grund ? In dieser kritischen Zeit befindet sich Ludwig XVI in schlechter Verfassung. Seit zwei Jahren hat der König keinen Mut mehr. Er verfällt regelmässig in eine Melancholie, die ihn fast zur Depression führt. Im Mai 1789 ist Ludwig XVI umso mehr deprimierter, als er als vorbildlicher Familienvater kurz davor steht, seinen todkranken Sohn, den Kronprinzen zu verlieren. In der Nacht vom 3. zum 4.Juni 1789, wird dieser Sohn in Meudon,  sterben.  Ab 17.Juni 1789 werden sich die Abgeordneten sich als “Assemblée nationale” also zur Nationalversammlung, ausrufen. Die Abgeorneten überschreiten somit ihre Funktion und ihre Vollmacht; eigentlich sind sie nicht befugt, sich zur Nationalversammlung zu erklären. Die höchste Staatsgewalt liegt in den Händen des Königs, der Statthalters Leutnant. Diese Tat ist  ein echter Staatsstreich. Ludwig XVI reagiert, wie es sich gehört. Leider zu spät. Er beruft eine königliche Sitzung ein im Laufe der, er eine sehr ernste Rede hält. Er hätte diese Rede am 5. Mai, halten müssen. Leider kommt er mit dieser Rede 6 Wochen zu spät. Er hält den Abgeordneten das Reformprogramm vor, das Letztere zu einer gründlichen Überlegung hätten unterziehen sollen,    bevor er es den zerstörerischen Initiativen des dritten Stands vorlegen wird, in gebieterischem Ton des Beschwerdeführers mit einem langen Register und auch den Abgeordneten androhen wird, sie wieder vor ihre Wähler zurück zu schicken. Aber Ludwig XVI stößt nur auf  Fronde : Fronde eines Teils des Klerus, Fronde eines Teils des Adels, der sich dem dritten Stand  anschliesst und der sich dem Gehorsam verweigert und Fronde mancher seiner Minister. Während der Rede des 23. Junis, war der allerwichtigste und populärste Minister, der Generalaufseher des Staatshaushaltes, Necker, abwesend gewesen. Sein Sitz ist leer geblieben und alle Leute haben es bemerkt. Alle Leute habens begriffen, dass Necker diese Rede nicht gut geheissen hatte. All das  können wir auch Verrat nennen. Der Aufstand verbreitet sich allgemein aus. Die Leute gehorchen nicht mehr. Es herrscht eine aufgeheizte Stimmung mit zündeden Reden, Druck wom Volke aus, wie auch Demonstrationen vor den Versammlungen und Drohgebärden gegen die Abgeordneten, die nicht der patriotischen Partei angehören. InFolge dieser feindseeligen Stimmung, beginnt Ludwig XVI sich anscheinend ins Unabänderliche zu fügen, indem er von seinem “treuen Adel” und “seinem treuen Klerus” verlangt, sich mit dem dritten Stand  zu arrangieren. Offensichtlich scheint er nachzugeben, jedoch bereitet er in derselben Zeit die Gegenoffensive, vor. Auf welche Weise ? Er lässt Einsatztruppen nach Paris zusammenziehen, um dortwieder Ordnung herzustellen. Danach beabsichtigt er, die Minister, denen er nicht mehr vertrauen kann, durch treue und entschlossene Männern zu ersetzen. Er will sich von Necker trennen. Gerüchte über Vereinbarungen betreffend den Grafen von  Artois und Frau von Polignac gehen um. Als Paris von Neckers Ungnade erfährt, schlagen die Demonstranten mit ihrem Aufruhr los. Am übernächsten Tag wird die Bastille im Sturm genommen. Während dieser drei Meutereientage, ist sich Ludwig XVI ganz und gar bewusst, dass die Armee die er beauftragt hatte die Ordnung wieder herzustellen, nun jedwesen Gehorsam verweigert. Die Armee ist am Rande der Meuterei und unfähig, die Ordnung wieder herzustellen. Manche derer Unruhestifter haben die Seite gewechselt und sich den Demonstranten angeschlossen. Die Armee leistet nicht mehr Gefolgschaft. Die Demonstranten wussten es ausserdem, dass die Armee nicht schießen würde und waren, somit unbesorgt. Der Verrat  ist allgemeinwärtig. Am Morgen des 15. Juli begibt sich Ludwig XVI zur Versammlung, um ihr mitzuteilen, dass er, die Einsatztruppen, die ihm nicht mehr dienlich sind, aus Paris abziehen wird. Am folgenden Tag, findet eine Beratung statt. Die Verhandlungen werden sich in die Länge ziehen.  Was tun ?  Aufgeben ? Widerstehen ? Wo und mit welchen Mitteln ?

Der Terror hat nicht im September des Jahres 1793 begonnen. Von dem Augenblick an, wo die Schildwachen  anfingen,  mit dem Kopf des  Verwaltungsintendanten von Paris an der Spitze eines Spießes herumzuziehen, kann man mit einiger Sicherheit behaupten, dass, von nun an, eine gewisse  Terrorstimmung  herrscht. Ab Juli  1789, hat der König den Kampf endgültig verloren. Innerhalb  von zwei Monaten, zwischen dem  5. Mai und  dem  17.Juli, spielt sich die Revolution ab. Am 17. Juni war es dann um die Krone geschehen. Um alledem ein Ende zu bereiten, kamen  dann die fatalen Oktobertage, während derer man den König abholen ließ, um ihn nach Paris zu bringen. In der Folge befindet sich die königliche Familie allmählich immer mehr von der Welt abgeschlossen und in Gefangenschaft.

Indem Ludwig XVI die Revolutionsideologie  immer besser begreift, erwartet er zugleich, dass die Franzosen von den neuen Ideen entaüscht sein werden. Er beginnt Ansprüche zu stellen, die Macht zurückzuerobern. Das bedeutet auch  Zeit zu gewinnen. Aber Ludwig XVI wird diese Zeit nicht mehr gewährt. Der Mann, der später die Vorteile dieser Enttäuschung erernten wird, heisst Napoleon Bonaparte, doch wird Napoleon sich Lezterer nicht um die Revolution auszurotten bedienen, sondern um diese noch tiefere Wurzeln schlagen zu lassen. Ludwig XVI ist sich der   Reichweite des Übels vollkommen klar. Das Übel ist in den Gedanken und, in den Einsichten und wenn die Revolution sich mit solcher Leichtigkeit durchsetzen konnte, liegt der Grund darin, dass ein ideologischer Kampf eigentlich schon vor Beginn des politischen stattgefunden hatte. Es war ein intellektueller Kampf, den die Enzyklopedisten weit vor dem 5. Mai des Jahres 1789, gewonnen hatten. Er hat es sehr gut begriffen, wie und woher das Übel gekommen war.

Doch, während der Debatte über die Zivile Verfassung des Geistlichen Standes, ändert Ludwig XVI sein Verhalten. Von da an, war Ludwig XVI  fest entschlossen, in religiösen Angelegenheiten  nie und nimmer mehr Zugeständnisse zu machen. Die, von der gesetzgebenden Versammlung  wider die kirchentreuen Priester gewählten Dekrete,  die die Verbannung dieser Priester aus dem Königreich vorsahen, stoßen auf das Veto des Königs. Infolgedessen wird der Palast der Tuileries   am 20. Juni 1792  bestürmt, um Ludwig XVI zu zwingen, dieses Veto zurückzuziehen. Aber er hält stand. Er bleibt unbeugsam. Er beharrt auf diesem mit solcher Unbeugsamkeit, dass die Revolutionäre  in allen Regierungsbezirken wider jedes Gesetzt, die Initiative einer Verfolgung des Klerus unternehmen. Ludwigs XVI Unbeugsamkeit in dieser Angelegenheit, wird zu seinem  Sturz am 10.1792 beitragen.

Das von Ludwig XVI einen Tag vor Varennes unterschriebene Testament, wurde in den Vereinigten Staaten gefunden und vom Museum für Briefe und Manuskripte in Paris erworben   worden. In diesem aüsserst wichtigen Dokument, begründet Ludwig XVI seinen Untertahnen ausführlich, weshalb er sich diskret und im Geheimen aus Paris zurückgezogen hatte. “Franzosen, (beschliesst er), und  besonders Ihr, Sie, die Pariser, nehmt Euch vor den Einflüsterungen und den Lügen Eurer falschen Freunde in Acht, kommt wieder zu Eurem König zurück, der immer Euer Vater und bester Freund sein wird. Und welche Freude er nicht haben wird, wenn er all diese persönlichen Schmähungen vergessen und sich wieder mitten unter Euch befinden, kann, wenn ein von ihm frei angenommenes Staatsgrundgesetz es zulassen wird, dass unsere heilige Religion geachtet wird, dass eine Regierung, die eine dienende Funktion einimmt, auf festem Fuss errichtet sein wird, dass der persönliche Besitz und das Wohl eines Jeden nicht mehr beeinträchtigt werden, dass man nicht mehr ungestraft gegen die Gesetze verstoßen, und dass die Freiheit endlich auf unerschüttlich festen Grundlagen beruhen wird”. Man weiss selbsverständlich von weiterem Verlauf :  die Expedition, die Flucht des Königs nach Montmedy die, wie Sie  wissen, in Varennes enden wird und damit auch eine ganze Epoche. Am 10. August 1792 werden die “sans culottes”, (ohne Kniebundhosen- radikale, untere gesellschaftliche Schicht), in Paris, die Tuilerien, wo die königliche Familie sich aufhält, im Sturm einnehmen. Früh am Morgen des 10. Augusts  sind die von den Verbündeten aus der Bretagne und aus Marseille unterstüzten Pariser Reviere, in den Schlosshof eindringen. Ab dem ersten Gerücht über die lebensgefährliche Lage in der, der König stand, sind etwa hundert Edelmänner ohne Uniformen, also in Zivilkleidung zu den Tuilerien, geeilt. Sie hielten ihre Waffen unter ihren Kleidern verborgen, was ihnen den Namen “les chevaliers du poignard”, “die  Ritter der Dolche”  einbrachte. Wie um mutig und verzweifelt gegen die erzwungene Auswanderung zu protestieren, waren sie gekommen, um als ergebene Opfer für die Ehre Franreichs zu sterben. Manche baten die Königin darum, ihre Waffen zu berühren, damit sie siegreich davonkämen, andere baten sie um die Erlaubnis, ihre Hand küssen zu dürfen, damit sie eines leichteren Todes sterben können. Die Schweizer Garde eröffnete das Feuer, um die Menschenmenge auseinander zu treiben. Da kamen noch mehr Aufständische hinzu. Bald wird die Schweizer Garde hingemordet werden, jedoch war der König zu dieser Zeit  schon nicht mehr im Palast der Tuilerien. Er hat den  Waffenstiilstand befohlen. Mit seiner Familie flüchtet das Königtum in Agonie durch die Schlossgärten, vernichtet vor den Augen der Gegner, und findet im Schoße der Nationalversammlung Zuflucht. Während der König die Schlossgärten durcheilte, ging er mit festem Schritt und bewaährte vollkommene Haltung, jedoch hatte sich sein Unglück in seine Gesichtszügen eingeprägt. Die Königin war in Tränen aufgelöst, wischte sich von Zeit zu Zeit die Tränen ab und bemühte sich eine zuversichtliche Miene anzunehmen, die sie kaum ein paar  Minuten bewahren konnte. Madame Elisabeth verhielt sich am ruhigsten : wie es ihr der Glaube eingab, hatte sie sich  in alles dreingefügt. Als sie diese blutrünstigen Aufrührer erblickte, sagte sie : “All diese Leute sind von Sinnen. Ich möchte, dass sie bereuen und nicht dafür bestraft werden.“ Dann begibt sich Ludwig XVI  unter  Schutz der Abgeordneten, das heisst,  er  wirft sich mit seiner Familie und den ihm noch treu ergebenen Leute, in den Rachen seine so unerbittlichen Verfolgern. Der König und seine Familie werden in die kleine Loge, in der sich die Mitarbeiter der  Zeitung “le logographe” versammelten, verbracht. Die Gitter der besagten Loge werden entfernt.  Von draussen her, hört man den Aufstand. Von draussen her hört man die Kundgebung der Aufrührer, die in die Loge eindringen wollen. Sie haben sogar die anwesenden Abgeordneten, ausser Fassung gebracht. Die Anspannung hat den  Höhepunkt erreicht.

Eine neue Macht dievon der Straße, aus den revolutionären Schichten, den Vereinenen enstanden war, hatte sich durchgesetzt. Es ist eine souveräne Macht die vom Bezirk und von der gestetzgebenden Versammlung unabhängig ist und die auf Exekutive, Legislative und Judikative   allesamt für sich für sich in Anspruch erhebt. Diese neue Macht wird die Volksvertretung nicht beseitigen aber, sie wird sie durch Angst und Einschüchterung unter ihr Joch zwingen. Wir befinden uns nach der Revolution von 1789 einer zweiten Revolution gegenübergestellt. Nicht etwa derjenigen von 1793 sondern derjenige von August 1792, jener, die mit der Diktatur des  Komitees des öffentlichen Wohls, enden wird. Eine letzte und sehr wichtige Klarstellung hinsichtlich dieser anderen Revolution ware, dass diese Revolution, die immer mehr oder weniger als eine volkstümliche, ja sogar rückblickend ein wenig vom Standpunkt der Theologie gesehen, als eine proletarische dargestellt wird, in Wirklichkeit eher eine bürgerliche ist.

Legen wir nunmehr unser Augenmerk wieder auf die politischen Angelegenheiten. Die Versammlung wird sehr schnell nicht die Abdankung sondern die Suspendierung des Königs  anordnen. Vorläufig, wird ein Vollzugsrat bestellt; und es wird entschieden, einen  NationalKonvent der mit verfassungsgebender Macht auszustatten ist, einzuberufen. Das zu erreichende Ziel  ist  die Gründung einer neuen Staatsverfassung. Was wird nun mit dem König, mit der Königin nebst dem Kronprinzen, Madame Royale, Madame Elisabeth und ihrer nächsten Umgebung geschehen ? Etwas muss doch für sie getan werden. Sie werden in einer Zelle im Kloster “les Feuillants“, (einem Zweig der Zisterziense, wo sich abgespaltete Jakobiner- Revolutionäre, “Feillants” genannt nach deren Kloster eingenistet hatten)  das zu dieser Zeit noch der gesetzgebenden  Körperschaft angehört, untergebracht. Madame Campan berichtet weiteres darüber: “ Ich  glaube immer noch, so wird sie  später in ihren Memoiren niederschreiben,”  dass ich für immer und ewig diese kleine Zelle im Kloster der Feuillants und dieses erbärmliche  Bettchen von dem aus, die entthronte Königin  uns die Arme entgegenstreckte, indem sie uns sagte, dass unser Unglück, dessen sie Ursache ist, ihr eigenes  vergrößern würde, vor Augen haben werde”. Ab diesem Moment, beginnt ein richtiges Kräfftemessen zwischen der Versammlung und dem Rathaus. Die Frage lautet : an welchem Ort soll der König untergebracht werden ? Die Versammlung schlägt eigentlich vor, ihn im Palast Luxemburg zu beherbergen, in dem bis dahin Monsieur, der älteste Bruder des Königs traditionsgemäß, seinen ständigen Wohnsitz hatte. Die Kommune würde den Tempel bevorzugen, nahe dem sich ein schönes Schloss aus dem 18. Jarhundert befindet, in dem Ludwigs XVI  jüngster Bruder, der Graf von Artois einst wohnte. Aber da steht ebenfalls ein alter Turm aus dem Mittelalter; und als Marie-Antoinette davon hörte, sagte sie zu Madame de Tourzelle : “Sie werden sehen, sie werden uns in diesem Turm  stecken und  zu einem richtigen Kerker für uns machen. Seit je her, hatte ich  eine solche Abscheu vor diesem Turm, so dass ich Monsieur, den Grafen von Artois schon tausend Mal darum gebeten habe, ihn abreissen zu lassen. Das war sicher eine Vorahnung von all dem, was wir darin zu erleiden haben werden.” Der weitere Verlauf der Ereignisse wird ihr recht geben. Am 13.August, abends um 6 Uhr wird die von mehreren Tausenden Soldaten zu Fuss und auf Pferd umzingelte königliche Familie in einem Wagen den Tempel erreichen. Der Tempel und das Kloster der Feuillants liegen zwei Stunden voneinander entfernt. Man kommt in einem hell beleuchtenten Haus an. Im Palast des 18. Jahhundert  ist ein großartiges Abendmal auf dem Tisch. Da fühlt sich Ludwig XVI ein wenig beruhigt. Er fängt  an, seinen  Begleitern die Kammern zuzuteilen. Da teilen ihm die Kommunenvertreter ihm auf unerbittliche Weise mit, dass die Familie eigentlich im alten Turm, dort hinten im Garten, inhaftiert sein wird. Die Königin hatte Recht behalten. Von nun an, ist ihre Familie in dem Tempelturm, den sie so verabscheute, eingesperrt. Danach wurden sie alle fürs erste, in den kleinen an dem großen angebauten Tempel beim Archivar des Malteseordens einquartiert. Acht Kommunenwächter haben die Aufsicht über die Gefangenen. Einige dieser Wächter werden sich aüsserst gemein verhalten. Da denke ich insbesonde an Jacques Roux, einen konstitutionnellen Priester, der sogar soweit geht, nachts revolutionäre Hymnen zu singen. Es gibt noch einen anderen, namens Mercereau, einen ehemaligen Stuhlträger in Versailles, der es sogar  wagte, im Kanapee der Königin und im Sessel des Königs zu lümmeln. Der Pförtner, so wird  erzählt, hatte die Tabakswolken seiner Pfeife ins Gesicht von Madame Elisabeth, Ludwigs XVI Schwester geblasen. Von nun an, wird die königliche Familie, ich sollte  eigentlich die “ehemalige königliche Familie” sagen-, in diesem Tempelturm in einem Klima der Angst, jedoch zugleich auf paradoxe Weise in schlichter Umgebung von  innigen Familienbanden zusammengehalten leben. Der König hört seinem Sohn zu, wenn dieser Stellen aus Corneilles und Racines Werken, rezitiert. Die Königin und ihre Schwägerin bringen Madame Royale die Stikerei bei. Man nimmt ein einfaches Mittag- und Abendessen ein. Nachmittags spaziert die Familie traurig im Hof. Abends nach dem Abendmahl lässt Ludwig XVI seinen Sohn, den Thronfolger folgendes Gebet aufsagen : “ Gott, Allmächtiger, der mich erschaffen und gerettet hat, ich bete Sie an. Bewahren Sie die Tage meines Vaters und meiner Familie, beschützen Sie uns vor unseren Feinden, geben Sie Madame Tournel die nötige Kraft, dass sie die Qualen, die Sie unseretwegen  auf sich nehmen muss, ertragen kann.”

Ausserhalb des Lebens im Tempel ist die neue Regierung auf Schwierigkeiten gestoßen. Die junge Republik muss mit vielen Verwicklungen fertigwerden. Die österreichisch - preuBischen Truppen stoßen bis an die Grenzen des Landes vor. Am zweiten September wird bekannt, dass Longwy   gefallen und Verdun umzingelt ist. In diesem gefahrvollen Klima werden die “massacres de septembre” (die Septembermassaker) anfangen. Wie Sie wissen, werden insgesamt 1400 Gefangene, darunter viele Royalisten umgebracht. Heute ist bekannt, dass diese Massaker, nicht spontan verübt wurden, wie man lange glaubte, sondern dass sie, von einer bestimmten Gruppe von Demagogen aus der Kommune absichtlich angestachelt wurden, um die Girondisten unter Druck zu setzen und bei den Wahlen zum neuen Konvent den Ausschlag auf der Waage  zu geben. 

Nun gestatte ich mir, so ganz nebenbei, eine Zwischenbemerkung über die Prinzessin von Lamballe, einer treuen Freudin Marie-Antoinettes, die sich jedoch aus einer momentanen Schwäche heraus in die Freimaurerei hineinziehen ließ. Ob sie von deren Bestrebungen wusste ? Das Ziel dieser Sekte war dazumals, einige Höflinge, besonders jene, die der königlichen Familie nahestanden, für sich zu gewinnen. Die Prinzessin liebte Feste. Man packte sie bei ihrer Schwäche… Leichtlebib wie es ihre Natur war, verstand sie nicht, was sich in den Logen an Verschwörung abspielte und es öffneten sich ihr erst die Augen als die Revolution bereits mitten im Gange war. Da nahm sie sich, mir scheint, zusammen um den Schaden gutzumachen den sie unbewusst angerichtet hatte. Im November 1791 ergriff sie die Initiative, um die an den Herden der Verschwörung notwendig gewordenen Überwachung zu übernehmen. Da sie wieder redlich und getreu zur guten Sache zurückgekommen war, schwor die Verschwörungssekte, sie dies mit dem Leben bezahlen zu lassen. Die Prinzessin von Lamballe war eine dieser Personen, die der königlichen Familie während der vorhin erwähnten Ereignisse des 10. August 1792, bis zur Versammlung, und   darauf noch einige Tage lang im  Tempel, mit größter Tapferkeit, folgte. Im Laufe der  Nacht vom 19. Auf den 20. August, wurde sie ins Gefängnis de la Force überwiesen, um dort eins dieser Opfer der Septembermassaker zu werden. Der im Gefängnis de la Force tätige Gerichtsschreiber namens Fieffé, nahm Frau von Lamballe ins Verhör. Danach kam sie vor die Scharfrichter, die sie über die Königin ausfragten ; aber, sie beschränkte sich nur auf folgende Antwort : «Ich habe Ihnen nichts zu sagen. Ob ich über kurz oder lang sterbe, ist mir gleichgültig geworden. Ich bin ganz und gar darauf vorbereitet. » Dann schleppte man die Prinzessin in diesen Winkel  der Rue des Ballets,  wo  diese Straße  das Gefängnis de la Force von der Rue Saint Antoine abtrennte und die einst im Jahr 1792 eine Sackgasse genannt « le cul de sac des prêtres »,  (« die Sackgasse der Priester »)  war. Dort traf sie  ein  erster Säbelstich im Nacken, der sie auf einem Leichenhaufen landen ließ. Dann, als diese Freudin der Königin durch Spieß und Säbelstiche getötet worden war, stellte man ihren  schönen Körper den lusternden Blicken auf der StraBe zur Schau und lieferte ihn solchen Niedrigkeiten aus, dass sogar Kannibalen darüber erröten würden.  Sogar der Tod war solchen Vergehen gegen die Sittlichkeit gegenüber, eine machtlose Beschützerin geworden. Dann schnitt man der Prinzessin die Brüste, andere Körperteile und den Kopf mit Messern ab, setzte diese blutenden Überresten auf die Spitze der Pfeile und dann schnitt man ihr noch die linke Seite auf. Eine Männerhand griff in die offene Wunde, riß das blutende Herz heraus, das ebenfalls auf einer Lanzespitze endete, und führte es sodann in den  Straßen zur Schau vor. In einem Satz überschritt diese Zivilisation die Grenze zu den grausamsten Greueltaten ; und, dieses achtzehnte Jahrhundert, das immerzu so stolz auf seine Aufklärung und seine Menschlichkeit vorgestellt worden war, endete im Kannibalismus.

Der 20. September ist der Tag des Sieges von Valmy, über den ich nicht zurückkommen möchte.  Dieser Sieg ist das Signal eines militärischen Umschwungs zu Gunste der jungen Republik. Zu diesem Zeitpunkt zählt der frisch erwählte Nationalkonvent eine bestimmte Zahl von Extremisten, wie Robespierre, Danton, Desmoulin, Marat. Von da her versteht man nur allzu gut, dass diese Versammlung sich Ludwig XVI von vornherein feindselig zeigt. Infolgedessen sind nunmehr die Royalisten, die Anhänger des Nationalkonvents usw, allesamt aus der Versammlung verschwunden. Einst stellten die Girondisten die Linke im Versammlungssaal, dar. Jetzt kann man sagen, dass sie die Rechte repräsentieren und dass die Linksradikalen nebst den Mitgliedern der Berpartei (radikaler als die Girondisten) weitaus zur Mehrheit gehören. Am 21. September wird die Republik öffentlich bekannt gegeben, und, das bedeutet ein vollständiger Übertitt in eine neue Ära, eine Ä.R.A, wenn ich sie so nennen darf. Die Gefangenen im Tempel werden in den großen Turm überwiesen. Am 29. September wird Ludwig XVI, am ersten überwiesen. Am 26. Oktober folgen ihm die Damen. Zu diesem Zeitpunkt, wie ich noch sagen muss, haben sich die Kerkerverhältnisse beträchtlich verhärtet. Ludwigs XVI treuer Diener, Monsieur Hue, ist aus seinem Dienst entlassen und durch den verrufenen Clery ersetzt, worden. Alles war ins Werk   gesetzt worden, um des Königs inneren Halt anzugreifen. Es gibt zahlreiche herzerreißende   Zeugenaussagen über die Innigkeit mit der der König mit seinen Dienern in Verbindung stand.

Das trostlose Leben im Tempel scheint weiterzugehen, tag aus, tag ein, immer Ängstenerfüllter, immer mühsamer weiter. Dann findet es sich, dass man während den Plünderungen in den Tuilerien, in den Räumen wo die Register aufbewahrt waren, Schriftstücke in Hülle und Fülle beschlagnahmt hatte, die dazu reichen könnten, um  ein Gerichtsverfahren einzuleiten. Am 1.Oktober gründet der Nationalkonvent, eine Kommission die 24 Mietglieder zählt, die, in einem von Hass und Eifer erfüllten Klima mit dem Inventar dieser Schriftstücke beauftragt waren. Am 6.November wird die Kommission ihre Berichtserstattung über die Verbrechen von “Louis Capet”, so wie ich ihn leider nennen muss, ergeben. Am Tag darauf, am 7. November, wird der Rechtsanwalt namens Maille eine gerichtliche Meldung weiterleiten. Die Kommission soll, Ludwig das Urteil sprechen, die Debatten im Nationalkonvent sollen derer gerichtlichen Meldung, entsprechend  geführt werden. Der Redner, der sich insbesondere aus der  Menge unterscheidete,  ist ein fünfundzwanzigjähriger Mann, der feurige und berühmte Saint Just, ein Freund vom gemeinen Robespierre. Er ist der fanatischste Partisan, der für eine Tötung ohne Frist des so genannten “Tyrannen” spricht, jedoch  bleiben andere Abgeordnete der entsprechend, mäßiger. Dann kommt eine unerwartete Wendung : der berühmte Innenminister namens Roland  lässt  dem Nationalkonvent wissen, dass in den Tuilerien ein Flur zwischen dem Zimmer des Königs und dem Zimmer des Kronprinzen aufgefunden worden ist. Aus dem Fund eines, mit einer Eisentür geschlossenes Versteck, entsteht die bekannte Geschischte des Eisenschranks. Der Schlosser namens Gamin soll die Existenz dieses Schranks ans Licht gebracht haben. Man gründet sofort eine  neue  Kommission mit 12 Mitgliedern, die, in den ihnen  zum aussortieren überlassenen 726 Schriftstücken, eine Menge von schwer belastenden Notizen finden, die es dazu bringen könnten, Ludwigs XVI Doppelzüngigkeit besonders in kirchlichen sowie natürlich auch in diplomatischen Anglegenheiten, beweisen zu können. Aber dann, infolge einer ziemlichen Menge anderer Schrifstücke unter den schon Aufgefundenen, stellt man auch Mirabeaus Persönlichkeit in Frage, dann nimmt man seine sterbliche Hülle, die bis jetzt im Pantheon begraben lag, heraus. Hier, Madame Campans Zeugenaussage über die Auffindung des Schranks : “Der König besaß eine Unmenge von Urkunden und kam leider auf den Gedanken, im Korridor seiner Wohnräumen ein Versteck von einem Schlosser, der seit über zehn Jahren an seiner Seite arbeitete, einrichten zu lassen. In meiner Gegenwart forderte die Königin ihn auf, Nichts im Schrank zurückzulassen, und, um sie zu beruhigen, erwiderte ihr der König, dass er Nichts zurückgelassen hatte. Das sind Schriftstücke, behauptete die Königin, die, ihm, im Falle eines Gerichtsverfahrens, sehr verhängnisvoll sein könnten.” Wie kann man, das Vorhandensein so einer Unzahl von beträchtlichen Schriftstücken in diesem zweckmäßig aufgefundenen Versteck erklären ? Obendrein kann jedes einzelne Schrifstück den Girondisten zum Unglück werden, zumal, dass der Innenminister namens Roland, wie man es bemerken muss, sich am 20. November Stunden lang in den Tuilerien aufgehalten hat und das noch, bevor er sich dem Nationalkonvent vorgestellt hat. Hat er vielleicht den Inhalt des Schranks ausgemerzt, oder im Gegenfalle, von anderswoher aufgesammelte Dokumente, hinzugesetzt ?  Eins ist auf alle Fälle sicher : schließlich hatte er zu dieser Tat die Zeit und mit Sicherheit auch die Veranlagung dazu… Bemerken Sie sich noch was aüsserst Wichtiges überdies : in der Tat ist es dieser Fund, der den Gedanken an einen Prozess wieder aufleben lassen wird. Infolge des verübten Drucks der, an die  Bergpartei angehörigen Redner, aus, beschließt der Nationalkonvent, Ludwig XVI, das Urteil zu sprechen. Am 10. Dezember wird die Anklageschrift, bettittelt mit “Ludwig Capets Verbrechen” in der Versammlung vorgelesen. Nun haben wir einen Vorgeschmack auf die gesamte Atmosphäre. Am folgenden Tag  wird Barbarous eine historische Übersicht über diese, in der Zeitspange von 1789 bis August 1792, angeblich ausgeführten, begangenen Verbrechen geben. Zu diesem Zeitabstand hat man Ludwig sein Rasiermesser, seine Schere und sogar seinen Kompass beschlagnahmt ; so ist er nun wahrhaftig ein Staatsgefangener geworden, über den man beurteilen kann und wird.  Am 11. Dezember steht der König, wie gewöhnlich, um 7 Uhr auf, dann macht er mit dem Kronprinzen ein Siamspiel. Darüber berichtet Clery eine Anekdote ; er erzählt, dass der König das Spiel gewonnen hat, und der Thronfolger soll gesagt haben : “Jedesmal, wenn ich auf die Sechzehn treffe, kann ich nicht gewinnen.”

Um 13 Uhr kommen die Beauftragten des Nationalkonvents endlich an, dann liest man dem abgesetzten Herrscher die Regierungsverordnung vor, die anordnet, dass “Ludwig Capet” in den  Nationalkonvent  gebracht werden wird. Hier anschliessend, die Antwort des ehemaligen Königs : “Ich heisse nicht Capet, nur meine Vorfahren haben diesen Namen getragen; ich hätte mir gewünscht, dass Sie, die Herren Bevollmächtigten, mir, während den zwei Stunden in denen ich auf Sie gewartet habe, meinen Sohn gelassen hätten. Auch dieses Ihrer Verhalten ist eigentlich dessen gleich, die ich seit vier Monaten hier erdulden muss. Ich werde Ihnen folgen, aber nur,  weil die Macht in die Hände meiner Feinde geraten ist.” Dann bringt man ihn vor die Machenschaften, und er wird sich mit blauem Gewand und hautfarbigem Gehrock bekleidet,  abgezehrt, mit einem dreitägigen Bart und immer noch sehr groß, vor das Gericht stellen. Man darf nicht vergessen, dass Ludwig XVI 1m, 90 gross war. In diesem und ab diesem Augenblick  kann man behaupten, dass nun ein Prozess im Gange ist,  ja ein aüsserst verhängnisvoller Prozess, während dem der König im Laufe der Vernehmungen, besser gesagt, im Laufe der Gerichtssitzungen sich einer vollkommenen Höflichkeit erwies. Dabei zitiere ich die von Marat persönlich geschriebenen Worte : “Hundertfach  hat er sich Capet rufen gehört, ohne ärgerlich zu werden er, der immerzu den Namen Majestät im Gehör hatte und in der Zeit, in der, man ihn aufrecht stehen gelassen hat, hat er, der, in Gegenwart dessen, einst Niemand das  Privileg hatte sich zu setzen, nicht im geringsten die Geduld verloren. Als Unschuldiger wäre er in meinen Augen, ein groBer Herr.” Ich bestehe unbedingt darauf, dass Marat diese Zeilen selbst aufgesetzt hat. Dann, noch bevor Ludwig XVI sich zurückziehen wird, bittet er um einen Verteidiger. Noch am selben Abend, um 18 Uhr 30 geht Ludwig XVI in den Tempel zurück, dort sagt er zu Clery : “Auch nicht in meinen Träumen hätte ich mir diese Fragen, die mir gestellt worden sind, vorgestellt.” Man genehmigt ihm zwei Rechtsanwälte :  Tronchet, der auf laue Weise zusagt,  Target der sich der Verteidigung entzieht und letztendlich wird Malesherbes Ludwig XVI verteidigen Immerhin ist der König sich dem, was auf in zukommt ganz und gar  bewusst. ”Mein Blut wird fließen, um mich dafür zu bestrafen, dass ich nie kein Blut flieBen gelassen habe.” Am 12 Dezember untersucht der Nationalkonvent gründlich die Unverfälschtheit der, vom Angeklagten nicht anerkannten Dokumente, danach wird man es nicht zulassen, dass diese Dokumente noch über Sachverständigenuntersuchungen überprüft werden. Man versucht den König von der Welt und in erster Linie von seiner Familie zu trennen. “Man muss also dem  letzten Opfer zubeistimmen.” sagt er. Von seinen Rechtsanwälten unterstützt, fechtet er  sich, Schritt für Schritt, durch, doch ohne Illusionen. Die letzte Vorladung und die allerletzten gerichtlichen Verhandlungen werden auf den 26. Dezember festgelegt. Wie kann man in so geringer Zeit plädieren, da 40 Anklagepunkte nebst 508 Prozessakte vorhanden sind und da  auch noch, die meisten darunter nicht einmal eingeordnet sind ? Mittlerweile wählt der Nationalkonvent für die Verbannung  der ehemaligen Prinzen von Bourbon, man darf auch keine Zeit verlieren, denn einer von ihnen ist der Bergpartei nahestehende Prinz Philippe-Egalité, und deswegen wird die Entscheidung vertagt. An Weihnachten stellt der mit Besorgnis erfüllte Ludwig XVI sein Testament auf, von dem ich Ihnen später erzählen werde. Am 26 Dezember, als man ihn im Wagen wieder zur Gerichtsschranke zurückbringt, fällt ihm auf, dass der Gerichtsschreiber seinen Hut angelassen hat : “Das letzte Mal als ich Sie gesehen habe, Monsieur, haben Sie Ihren Hut nicht aufgehabt, sagte er, ich sehe, dass Ihr heute sorfältiger gewesen seid.” Es ist Deseize, der die letzten Worte des Plädoyers aussprechen wird : “Ich lasse es vor der Geschischte bewenden, und es wird sie sein, die, die Richter zu Gericht setzen wird.“ Zu diesem bestimmten Zeitpunkt kam es zwischen den Girondisten und der Bergpartei zu einer richtigen Scheidung. Am 7. Januar sind die Debatten endgültig abgeschlossen und die Verhandlung wird auf den 14. Januar vertagt. Am 15. Januar werden die Mitglieder des Nationalkonvents auf drei Fragen antworten müssen.

Erstens : soll Ludwig Capet, ehemals König der Franzosen, einer Verschwörung gegen die Volksfreiheit und gegen die allgemeine Staatssicherheit schuldig sein ? Zweitens : soll das Urteil des Nationalkonvents über Ludwig Capet einer Volksabstimmung zur Beurteilung unterbreitet werden ? Drittens : ist Ludwig, ehemaliger König der Franzosen straffällig geworden ? Auf die erste Frage : aus 741 Stimmen gegen 691 fällt die Antwort auf ein. JA, nachträglich wird er für die Verschwörung schuldig erklärt. Auf die zweite Frage : soll man das Urteil des Nationalkonvents einer Volksabstimmung unterbreiten, fällt ein NEIN, und da sehen Sie, dass die Republik von Anfang an, der Volksabstimmung nur ein wenig zugetan war.  Letzt endlich wird das Urteil, vom 16. Januar um 10Uhr30, bis spät in den Abend des 17 Januar endgültig abgestimmt werden. Im Großen und Ganzen haben sich die gerichtlichen Verhandlungen über mehr als 17 Stunden hinausgezogen. 319 Stimmen  entscheiden für die Verbannung, 366 Stimmen entscheiden für den Tod auf kurze Frist, das bedeutet also, dass eigentlich nur eine kleine Mehrzahl der Stimmen für den Tod abgestimmt hat. “Nur Pflichtbewusst und davon überzeugt, das  all die, die einen Anschlag verübt haben oder die nach der Herrschaft des Volkes getrachtet haben, den Tod verdienen, wähle ich für den Tod.” hat der Vetter des  Königs  Philippe von Orléans-Egalité verkündet. Nach Ende der Abstimmung hat Vergniaux, der Versammlungsvorsteher gesagt : “Im Namen des Nationalkonvents erkläre ich, dass, das Urteil, dass er über Ludwig Capet gefällt hat, der Tod ist. »

Es ist Malesherbes, einer seiner Verteidiger, der das peinliche Aufgebot gehabt hat, dem König mitzuteilen, dass die Berufung ablgelehnt worden ist «Ich habe, wird er berichten, sein edles Wesen, seine unerschüttlerliche Kaltblütigkeit, mit der er sich mein Bericht anhörte, die Resignation mit der er das Opfer seines Lebens brachte und zugleich sein Mitgefühl für das Unglück derer, die ihm zu überleben, verurteilt waren, seine Dankbarkeit für jene, derer er sich immer noch verpflichtet fühlte, und, zu gleicher Zeit seine Nachsicht über jene, die sich viel vorzuwerfen haben, gesehen.” Infolgedessen, und jedesmal, wenn der König zum Tempel zurück wollte, wird Malesherbes ihn dorthin begleiten. Anschließend hatte Ludwig um drei Dinge gebeten : einen Beichtvater, Schutz und Sicherheit für seine Familie und sein Personal, und eine Hinrichtungsfrist für drei Tage, um sich christlich zum Sterben vorbereiten zu können. Der Beichtvater wird ihm bewilligt. Er heisst Edgewort von Firmon. Schutz und Sicherheit und Unterhaltsrenten werden ihm gewährt, aber die Hinrichtungsfrist bleibt ihm versagt.  Es ist Garat, der es ihm mitteilen muss : “Großer Gott, mit welchem schrecklichen Aufgebot bin ich nur aufgebürdet worden, wird er erzählen,  und welch ein Edelmann, welche Resignation,  welchen Mut ! Nein, die Natur allein hätte ihm, nicht solche Kraft verleihen können, da ist etwas Übermenschliches geschehen.” Und, um nicht zuviel in den Katen weinen zu lassen, gehe ich hinweg über sein Abschiednehmen mit seiner Familie, über die Schluchtzen und die unterdrückten Schreie dieser, vor dem Königsmord, zum letzten Mal , vereinten Familie.

Nun kommen wir zum Montag den 21. Januar 1793. Ludwig zittert ein wenig, aber vor Kälte ; die Tür wird aufgerissen, der General Santerre, mit Gendarmen befolgt, die er dann im Doppelglied aufstellt, stürmt lärmend ins Zimmer hinein. “Sie kommen mich abholen” ?  Fragt der König. “Ja” , “Dann gebt mir noch eine Minute, bitte”, sagt der König und eilt zum kleinen Turm, in das Zimmer, wo  er sein Testament gelassen hat. Sein Beichtvater, der Abbé Edgeworth von Firmont befindet sich da ; Ludwig macht die Tür zu, fällt auf die Knie “Alles ist vollendet, Monsieur,  erteilen Sie mir Ihren letzen Segen und beten Sie zu Gott, dass er mir bis ans Ende beistehe.” Der Verurteilte geht zum Tisch, nimmt das  darauf liegende Testament, das er schon am Weihnachtstag aufgestellt hatte ; er verlässt dann das Zimmer und überreicht es einem der Kommunaloffiziere : “Bitte, geben Sie es der Königin, meine Gattin.” sagt er, aber der Kommissar antwortet : “Wir sind nicht gekommen, um Ihre Aufträge zu besorgen, sondern, um Sie zum Schafott zu bringen !

Der König schaut ihn eine Minute an, dann antwortet er : “Richtig” Ein anderer Kommunaloffizier eignet sich das Testament an, dann beginnt man, unter Trommelwirbel, die Treppe herunter zu steigen. Man überführt ihn durch den mit Pfählen bespickten Garten ; zweimal dreht er sich zum düsteren Turm um, wo, in der dritten Etage, hinter den Fenstern, hinter den holzernen Lampenschirmen, zwei Frauen und zwei Kinder lauern und allem zuhören. Ludwig XVI wird nicht, wie,  leider später im Oktober des selben Jahres, die Königin Marie-Antoinette, in der Karre der zum Tode Verurteilten, sondern in einem Wagen und nicht irgendeinem Wagen, zum Schafott gebracht. Der Wagen gehört dem Bürgermeister von Paris namens Chambon. Chambon gehört diesen unzähligen Leuten an, die sich im Kontakt mit dem König, sagen wir, bekehrt haben, und diese Bekehrung wird darin in Erscheinung treten, dass man doch  noch ein kleines Etwas für den König tun möchte und so gelingt es Chambon, dass Ludwig XVI nicht in der Karre sondern in seinem eigenen Wagen zum Schafott geführt wird. Er leiht seinen Wagen, der am 21. Januar an einem sehr kalten Morgen aus der rue du Temple (die Tempelstrasse) fährt. Es hat geregnet, es hat geschneit, die Straßen sind noch mit Schnee überfüllt, es herrscht Nebel, es ist ein  Wetter, das den Umständen angebracht ist.

Dann geschiet ein Ereignis, das man nur  zu wenig erwähnt. Es gab ein Häufchen Getreuen, die geschworen haben, den abgesetzten Herrscher zu entführen, und versucht haben, ihn der Hinrichtung zu entziehen. Der Kopf dieses kontrarevolutionären Komplotts ist der Baron von Batz. Der Name schreibt sich B.A.T.Z und spricht sich Basse, aus. Er ist einer derer, die zur Zeit des Zusammenbruchs der Monarchie emigrieren werden. Für den Baron von Batz, für diesen Mann, wenn man so sagen darf, ist die Monarchie die einzige Daseinsberechtigung seines Lebens ; er ist ein treuer Unterstützer der königlichen Familie. Ausserdem kommt er am 1. Juli 1792 nach Paris zurück und man kann auch, in Ludwigs XVI Rechnungsbuch weiteres lesen : “Ist zurückgekommen,  perfektes Benehmen von Monsieur de Batz, dem ich noch 512 Pfund schuldig bin.” schreibt er nieder. Nun kommen wir wieder auf den 21. Januar, Ludwigs XVI Tag der Hinrichtung,  zurück. Auf dem ganzen Geleitweg entlang, bis zur Place de la Revolution (Platz der Revolution), heutzutage Place de la Concorde (Platz der Eintracht) genannt, hat sich eine große Menschenmasse  zusammengezogen, um den Wagen mit dem König sehen zu können. Doch, nun, an einem Winkel der rue de la Lune (die Mondstraße) hört man plötzlich ein Tumult ; dort hatte  der Baron von Batz Stellung bezogen ;  es war ihm gelungen ungefähr 500 bis 600 Royalisten zu überzeugen, zusammenzubringen, und zu finanzieren, Royalisten, die sich an diesem Morgen der Hinrichtung des Königs, an diesem bestimmten Ort und auf Signal des Barons auf den königlichen Wagen stürtzen sollten und  jene, die sich  ihrer Tat entgesetellen sollten, allesamt töten. Ihr Ziel war : den König zu befreien.  “Kommt zu uns Freunde, die unseren König retten wollt !” so lautete die Losung und so lautete das Angriffswort zur Offensive des Baron von Batz “Kommt zu uns, rettet den König !” Ehrlich gesagt, ist diese Offensive ein richtiges Fiasko, gut, es haben eine Rauferei, einen Schusswechsel stattgefunden, und es hat sogar einige Tote gegeben, nur  die meisten der jungen beigerufenen Royalisten sind  um 3Uhr morgens  von Gendarmen, die sich in ihren Wohnungen einquartiert hatten und  die unter ausdrücklichem Befehl, sie vor Mittag nicht rausgehenzulassen standen, festgenommen worden. Die Verschwörung war entdeckt worden.

Später werden die Urheber dieses Komplotts, allesamt mit roten Hemden bekleidet, auch als Spielball der pariser Straßenpflaster zum Schafott geführt. Es ist ein schrecklicher Aderlas, der dort stattfinden wird und der in die Geschischte unter der Bezeichnung “messe rouge” , “die rote Messe” eingehen wird. Während diesem Zeitpunkt wird die Zahl der Hinrichtungen  ansteigen,  und bei den Revolutionären schleicht sich ein richtiger Kult für das Spektakel, das die Guillotine darbietet, ein. Manche werden sagen “ Lasst uns zu Füßen dieses Opfertisches gehen, um die rote Messe zu preisen !” Das sind aufschlussreiche Worte die stetig die teufliche Natur dieser Revolution, die uns immerzu,  als Beiträgerin zum Fortschritt dargestellt wird, bestätigt.

Es ist sehr schwer in die geheimen Machenschaften und in die Einzelheiten dieser allerletzten   Angriffsbewegungen einzugehen, die, zum Zeitpunkt der Gefangenschaft der königlichen Familie im Tempelturm und danach auf dem Weg, der Ludwig XVI zum Tod führte, ausgeheckt worden waren. Es war oft die Frage angeregt worden, dass man sich zum Tempel begeben könnte, um sich mit dem König und der Königin auszutauschen, um ihren Platz einzunehmen, so dass sie, auf  still schweigende Weise evakuiert werden könnten. Das lässt uns leise lächeln… wenn man der Sicherheit gewahr wird, die diese Gefangenschaft im Tempel umgibt ; immerhin gibt es 400 Mannschaften in Waffen und noch dazu 40 Personen, die im Tempel umlaufen und diese Leute werden sehr sorfältig ernannt, sind zuverlässig und sind von der aufständigen Kommune von Paris empfohlen, worden. Man weiss auch, dass die aufständige Kommune von Paris rein aus richtigen Extremisten besteht, die Ludwigs XVI unerbittlichsten Feinde sind und die allesamt von Anfang an, an den Aufständen mitwirkten. Es werden auch Guckfenster ausgearbeitet, und überdies, gibt es auch noch Leute, die dazu beauftragt sind, die Überwacher zu beobachten. Da befinden wir uns in einer Terrorstimmung : jeder spionniert jeden aus und ein jeder wird sich einander denunzieren, was zum Beispiel François Hue und nachträglich Cléry zustoßen wird. Die Tison, zum Beispiel sind da am angeführten Ort um festzustellen, ob die Aufseher gute Arbeit leisten. Da geschiet noch etwas :  eine gewisse Anzahl von Aristokraten stellen fast öffentlich den Antrag an, Ludwig XVIs und Marie-Antoinettes Stelle im Tempel einzunehmen,  so irgendwie als Geiseln oder an ihrer Stelle die Gefangenen selbst, zu werden. Aber, so denke ich, kann man es gut verstehen, dass sowas auf jede Weise nur scheitern konnte darum das, was die Revolutionären umstürtzen wollten, war nicht einfach nur ein König, sondern insgesamt eine katholische und königliche Tradition, in Person des  christlichen Staatsoberhauptes, der Beschützer der Kirche, so denn, muss man schon so weit auf den Grund gehen, um die französische Revolution verstehen zu können.. Die Revolutionäre, die ihrer eigenen Saüberungsaktion überleben werden, werden sich mit Bonapartes Beschlagnahme auf Frankreich zufriedenstellen ; sie werden zu Barone und Grafen des Kaisertums genannt werden. Es ist nicht das monarschische Prinzip an sich selbst, das sie stört, sondern, es ist dieses Bündnis, das die kapetingische Monarchie mit der katholischen Kirche pflegte, das Bündnis zwischen Thron und Altar, das sie von Grund aus ablehnen.

An diesem 21 Januar 1793 haben wir immerzu, diese Trommelgeschischte mit Santerre und diese gescheiterte Rede des Königs, in unserem Gedächtnis. Der König  hatte es vorgehabt, seinem Volk eine Rede zu halten. Ludwig XVI war immer auf sein Volk bedacht gewesen;  ja, so ist es immer  gewesen, von Anfang an strebte er danach, dass zwischen ihm und seinem Volk so wenig wie möglich Konflikte liegen sollten. Er hat es immer verweigert, das Blut des Volkes fließen zu lassen, und das ist das geringste, dass man sagen kann. Für den König ist das Blut des Volkes überaus wichtig und er hat überhaupt kein Recht dazu, es fließen zu lassen, außerdem hatte er sich bei seiner Krönung dazu eidlich verpflichtet gehabt. Da gibt es  noch etwas zu erzählen : als der König der Franzosen gekrönt wird, schreitet er durch die Straßen von Reims, und die Hofsitten erforderten wie üblich,  dass  man den durchlaufenden Weg lang mit Teppischen  behängte, aber Ludwig XVI hatte verlangt, dass es nicht so sein sollte, damit die Franzosen ihn sehen könnten. Seine Botschaften, seine Testamente, die uns alle verwaist lassen, sind an die Franzosen gerichtet, weil er ausschliesslich nur an die Franzosen gedacht hat, an die Franzosen des 21. Januar 1793 und an die Franzosen aller Zeiten :  an diese von heute und von morgen.

Es Gibt selbsverständlich auch eine sehr religiöse Atmosphäre ; man kann sagen, dass Ludwig XVI vor allem, wie eine sehr fromme Person, wie ein Christ zum Schafott gegangen ist. Diese Tatsache ist so fundamental, dass der Scharfrichter sich dazu verpflichtet fühlen wird, in der Tagesschrift “le thermomètre” im Bericht über den Tag der Hinrichtung, an jener  Passage, wo jene geschrieben haben,  dass der König Angst gehabt hatte, dass es ihm an Mut gefehlt hatte, eine Berichtigung zu machen. Der Scharfrichter Samson wird schreiben, dass es nicht der Fall gewesen war,– und im Februar 1793 gehört schon viel Mut dazu die Wahrheit über Ludwig XVI wieder herzustellen-,  ich zitiere : “Ludwigs XVI großer Mut und große Kraft haben uns alle ins Staunen versetzt und ich bin davon überzeugt, dass er in den Prinzipien des christlichen Glaubens diese Kraft geschöpft hat.”

Er ist ein aüsserst gottesfürchtiger König : “Ich verzeihe sehr gern denjenigen, die mich als Gefangener bewachten, auch ihre schlechte Behandlung und die Gewalt, mit der sie sich verpflichtet fühlten, Letztere, mir gegenüber ins Werk zu setzen ; ich gehe zu meinem Ende zu  und erkläre vor Gott, schon vor ihm zu erscheinen bereit, dass ich mir nicht nur das geringste dieser mir vorgebrachten  Verbrechen  vorwerfe”. Es ist eine  Abschrift aus dem Tempelturm ; sie kommt  aus  Ludwig XVIs Testament, das er  am  25 Dezember, am Weihnachtstag,  nur  ein paar Tage vor seiner Hinrichtung, aufgestellt hatte.     

Das Platz war mit Soldaten, mit Förderierten aus Brest in der Bretagne und aus Marseille ausgefüllt, also  konnte man auf diesem gut bewachten Platz, ein bestimmter Hass spüren. Dem ganzen Weg entlang waren auch die gesamten Ausgänge bewacht ; die junge Republik hatte es derart einrichten wollen, dass   es keine  ärgerlichen Zwischenfälle geben werden. Der König ließ sich fortan die Hände hinter den Rücken fesseln und die Haare abschneiden, dann stieg er in aller Ruhe die Stufen hinauf, die zum Schafott  führten. An der Guillotine angelangt, betrachtete Ludwig XVI einen Augenblick lang die Folterwerkzeuge, und wollte sich ein letztes Mal an sein Volk richten : “Ich sterbe unschudig an den Verbrechen, die man mir zumesst ; ich verzeihe den Urhebern meines Todes und ich bete an Gott, dass, das Blut, das Ihr nun fließen lassen werdet, nie und nimmer auf Frankreich  lasten wird.” Gerade in diesem Augenblick lässt Santerre die Trommeln schlagen, um des Königs letzten Worte zu bedecken. Jetzt schwieg der Abgesetzte Herrscher, und leistete nicht den geringsten Widerstand mehr.

Unter dieser zeremonialen Art und Weise einen Königsmord zu begehen, kann man eine nachgeahmte anti Königskrönung entnehmen. Es findet eine echt imponierende Inszenierung statt ; es gibt auch diese abscheuliche Tat, die einige Revolutionäre nach der Enthäuptung verübt haben, das heisst, dass sie das Volk mit diesem königlichen Blut bespritzt haben. Im vorliegenden Fall ist diese Tat irgendwie einer Taufe gleich, so als wäre sie eine Ersatztaufe. Daraufhin kann man beschließen, dass in der Willensäusserung zur Tötung von Ludwigs XVI nicht nur einfach jene zur Tötung eines Mannes, sondern auch jene zur Vernichtung einer ganzen Zivilisation, vorhanden ist. So lautet der wesentliche Grund der Geschehnissen und der Taten.

Um 10Uhr30 hören die gefangenen Frauen im Tempelturm von weit her, die Salvenfeuer der Geschütze und, im selben Augenblick fangen die Trommeln an  zu schlagen. Die Königin, die noch auf ihrem Bett schlurzte, steht auf und kniet vor ihrem Sohn nieder ; nun begrüßt sie ihn mit der Anredeform :  König.

Ludwig XVI ist tot, es lebe der König !

Vielen Dank !

Reny_F

19/10/2017

Pfarrer Hans Milch

Hans Milch (* 17. März 1924 in Wiesbaden; † 8. August 1987 ebenda) war ein deutscher Priester, Vertreter des katholischen Traditionalismus.

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16/10/2017

Abschiedsbrief einer Königin.

In der Nacht zum 16.10.1793 schrieb Marie Antoinette in ihrer Zelle in der Conciergerie einen Abschiedsbrief an Madame Elisabeth, ihre Schwägerin.

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« Dir, liebe Schwester, schreibe ich zum letztenmal. Ich wurde soeben verurteilt, nicht zu einem schmachvollen Tod, der nur für Verbrecher gilt, sondern dazu, Deinen Bruder wiederzufinden. Unschuldig wie er, hoffe ich ihm in seinen letzten Augenblicken zu gleichen. Ich bin ruhig, wie man es ist, wenn das Gewissen dem Menschen keine Vorwürfe macht. Ich bedaure tief, meine armen Kinder zu verlassen. Du weißt, ich habe nur für sie gelebt und für Dich, meine gute zärtliche Schwester. Du, die Du aus Freundschaft alles geopfert hast, um bei uns zu bleiben -in welcher Lage lasse ich Dich zurück! Durch das Plädoyer des Prozesses habe ich erfahren, daß meine Tochter von Dir getrennt worden ist. Ach, die arme Kleine! Ich wage es nicht, ihr zu schreiben, sie würde meinen Brief nicht erhalten - weiß ich doch nicht einmal, ob dieser hier Dich erreichen wird. Empfange für sie beide hierdurch meinen Segen. Ich hoffe, daß sie später einmal, wenn sie größer sind, sich mit Dir vereinigen und ganz Deine zärtliche Sorgfalt genießen können. Mögen sie beide an das denken, was ich sie unablässig gelehrt habe: daß die Grundsätze und die genaue Befolgung der eigenen Pflichten das wichtigste Fundament des Lebens sind, daß die Freundschaft und das Vertrauen, das sie einander entgegenbringen werden, sie glücklich machen wird. Möge meine Tochter, als die ältere, fühlen, daß sie ihrem Bruder immer beistehen müsse mit Ratschlägen, die größere Erfahrung und ihre Freundschaft ihr eingeben werden. Möge mein Sohn hinwieder seiner Schwester alle Fürsorge und alle Dienste erweisen, die sich aus der Freundschaft ergeben. Mögen sie endlich beide fühlen, daß sie in jeder Lage ihres Lebens nur durch ihre Eintracht wirklich glücklich sein werden. Mögen sie sich uns zum Beispiel nehmen! Wieviel Tröstung hat uns unsere Freundschaft in unseren Leiden verschafft! Und das Glück genießt man doppelt, wenn man es mit einem Freunde teilen kann. Wo aber kann man einen zärtlicheren, innigeren Freund finden als in der eigenen Familie? Möge mein Sohn niemals die letzten Worte seines Vaters vergessen, die ich ihm mit Vorbedacht wiederhole: Möge er niemals danach trachten, unseren Tod zu rächen!

Ich muß zu Dir von einer Sache sprechen, die meinem Herzen sehr wehe tut. Ich weiß, wie dieses Kind Dir Qual bereitet haben muß, verzeihe ihm, liebe Schwester, denk an seine große Jugend und wie leicht es ist, ein Kind das sagen zu lassen, was man will, und sogar das, was es selber nicht versteht. Ich hoffe, ein Tag wird kommen, da es um so besser den Wert Deiner Liebe und Zärtlichkeit begreifen wird, die Du beiden entgegenbringst.

Ich muß Dir noch meine letzten Gedanken anvertrauen. Ich hätte sie vom Beginn des Prozesses an niederschreiben mögen, aber abgesehen davon, daß man mir nicht gestattete zu schreiben, verlief er so schnell, daß ich in der Tat keine Zeit dazu gehabt hätte.

Ich sterbe im apostolischen, römisch-katholischen Glauben, der Religion meiner Väter, in der ich erzogen wurde und zu der ich mich immer bekannt habe. Da ich keinerlei geistliche Tröstung zu erwarten habe, da ich nicht weiß, ob es hier noch Priester dieser Religion gibt, und da auch der Ort, an dem ich mich befinde, sie allzu großen Gefahren aussetzen würde, wenn sie zu mir kämen, bitte ich Gott von Herzen um Vergebung für alle meine Sünden, die ich begangen habe, seit ich lebe. Ich hoffe, daß er in seiner Güte meine letzten Gebete erhören wird so wie alle jene, die ich seit langem an ihn richte, damit meine Seele seines Erbarmens und seiner Güte teilhaftig werde.

Ich bitte alle, die ich kenne, und im besonderen Dich, liebe Schwester, um Verzeihung für jedes Leid, das ich ihnen unwissentlich etwa zugefügt habe. Ich verzeihe all meinen Feinden alles Böse, das ich durch sie erlitten habe. Ich sage hiermit den Tanten und all meinen Brüdern und Schwestern Lebewohl. Ich hatte Freunde. Der Gedanke, daß ich von ihnen für immer getrennt bin, und das Bewußtsein ihres Schmerzes gehören zu den größten Leiden, die ich sterbend mit mir nehme. Mögen sie wenigstens wissen, daß ich bis zu meinem letzten Augenblick an sie gedacht habe.

Leb wohl, gute zärtliche Schwester! Möge dieser Brief Dich erreichen! Vergiß mich nicht! Ich umarme Dich von ganzem Herzen sowie die armen lieben Kinder! Mein Gott, wie herzzerreißend ist es doch, sie für immer zu verlassen! Leb wohl, leb wohl! Ich werde mich nun nur noch mit meinen geistlichen Pflichten befassen. Da ich nicht frei in meinen Entschlüssen bin, wird man mir vielleicht einen Priester zuführen. Aber ich erkläre hiermit, daß ich ihm kein einziges Wort sagen und ihn wie einen völlig Fremden behandeln werde.»

Marie-Antoinette, am 15 Oktober 1793

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13/10/2017

Royalisten und Katholiken in Trauer

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Am 16. Oktober 1793 um 12.15 Uhr fällt der Kopf Marie Antoinettes, der Königin des katholischen Königreichs Frankreichs in den Auffangkorb des Henkers. Die Frau, Königin und Mutter Marie-Antoinette wird nach einem schändlichen Schauprozess feige hingerichtet, der in der Folge die finstersten Diktaturen der Moderne nach sich ziehen wird.

Nichts könnte die der unglücklichen Königin angetane Gewalt der grausamen Revolutionäre rechtfertigen. Nach Verurteilung und Ermordung Seiner Majestät Ludwig XVI. am 21. Jänner 1793 erleidet sie unerträgliche physische und psychische Qualen, die sie sagen lassen, dass sie « keine Tränen mehr vergießen kann ». Im Tempelturm kniet die Königin vor ihrem Sohn, der jetzt Ludwig XVII. geworden ist, wie ihn die europäischen Großmächte nunmehr als « Kindkönig » anerkennen und nennen. Früh gereift für sein Alter und Zeuge der Übergriffe gegen seine Eltern fragt Ludwig XVII : « Mama, sind wir jetzt Märtyrer ?» Die revolutionären Monster nunmehr mit der Trikolore geschmückt, tun der Königin auch noch die grausame Trennung vom Sohn an...

Wohlgemerkt es handelt sich um ein illegitimes Revolutionstribunal, das sich mehr von Hass als von Gerechtigkeit leiten lässt, das die Verurteilung zum Tode ausgeprochen hat, und das in Wirklichkeit keine einzige echte gegen sie herbringen konnte. Sie hatte somit von vornherein schon verloren. Die Herrscherin antwortet ihren Mördern mit äußerster Bescheidenheit, indem sie ihre wahre Identität kleinmacht und von sich in der Vergangenheit spricht : « Ich hieß Marie Antoinette Lothringen von Österreich », Sie war sich ganz gewiss dessen bewusst, dass es ein Scheinprozess war.

Sie war der Verbrechen nicht schuldig, die ihr die Freimaurer vorwarfen, sondern wurde als Königin von Frankreich auf der Guillotine grausam hingerichtet und übergab ihre Seele am 16. Oktober 1793 dem Herrn. Ihr Testament wie auch das des Königs Ludwig XVI ist ein ergreifendes Zeugnis des Glaubens, der Liebe und Treue, des Mutes und der Aufrichtigkeit gegenüber Frankreich. Als sie aus dem Wagen stieg, das Schaffott ganz allein bestieg, hat sich die Königin auch noch im letzten Augenblick beim Henker entschuldigt, weil sie ihm auf die Zehen stieg...

Auf dass unsere bedauernswerte Königin das schöne Königreich Frankreich, das sie so sehr geliebt hat, vom hohen Himmel her segne und ihren Schutz gewähre.

Reny.F

(übersetzung K.Hoitsch)

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11/10/2017

11 Oktober - Fest der Mutterschaft der Allerseligsten Jungfrau Maria

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Gott, du hast gewollt, dass dein ewiges Wort aus dem Schosse der seligsten Jungfrau Maria bei der Verkündigung des Engels Fleisch angenommen hat ; sieh, wir glauben, dass sie wahrhaft die Mutter Gottes ist, und bitten dich flehentlich, gib, dass sie uns nun auch helfe durch ihre Fürsprache bei dir. Durch unsern Herrn.

Amen

 

10/10/2017

Heiligsprechung von Maximilian Kolbe

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01/09/2017

Denkmal des Grafen Chambord in Ste. Anne d'Auray

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Dieses Denkmal wurde gegenüber der Basilika in Ste. Anne d'Auray im Departement Morbihan zum Gedenken an Heinrich V, Thronerben von Frankreich von den Legitimisten im Jahr 1891 errichtet.

Als Heinrich V. einen Restaurationsversuch unternahm, organisierten die königstreuen Legitimisten in Frankreich eine Wallfahrt nach Ste. Anne d'Auray, um für die Rückkehr des Königs auf den Thron zu beten. Diese fand am 29. September, seinem Geburtstag bis zu seinem Tod im Jahr 1883 statt. Darauf rief man eine Spendenaktion ins Leben, um die fünf Statuen, die man geschaffen hatte, erwerben zu können. Am 20. Februar 1889 gründete man auf Initiative des Athanasius de Charette einen Zivilverein, namens St. Heinrich-Gesellschaft, die « die Errichtung und den Erhalt eines Denkmals des Grafen Chambord » zum Ziel hatte. Diese kaufte den Standort und das Denkmal wurde schließlich im Jahr 1891 nach den Plänen des Architekten der Basilika, Eduard Deperthes realisiert. Eine Mauer und ein Zaun kamen 1897 hinzu, aber der ursprünglich vorgesehene Garten konnte schlußendlich nicht finanziert werden.

723403724.jpgDie jährliche Wallfahrt war nach dem Ersten Weltkrieg mehr oder minder aufgegeben, jedoch im Jahr 1983 auf Initiative des Vereins der Legitimisten in Frankreich wieder aufgenommen worden.

Im Jahr 2012 wurde das Denkmal schließlich restauriert und der Garten endlich hinzugefügt.

Am 31. Mai 2015 fanden sich seine königliche Hoheit Ludwig von Bourbon und seine Gemahlin, ihre königliche Hoheit Maria Margarita dort ein, um an der Zeremonie zu ihren Ehren aus Anlaß ihres offiziellen Besuchs im Departement Morbihan teilzunehmen.

Beschreibung :

Gegenüber der Basilika Ste. Anne d'Auray ungefähr 700 Meter westlich besteht das Denkmal aus einer gußeisernen Statue des knieenden Grafen Chambord im Krönungsornat ganz zuoberst auf einem Granitsockel. Der Prinz ist ins Gebet vertieft, sein Blick auf die Basilika und die Statue der heiligen Anna gerichtet, um den Himmel anzurufen. Die Krone ist zu seinen Füßen, denn sein Denkmal ruft seine Geschichte und die erfolglose Restauration in Erinnerung.

Ihm zu Füßen, zu seiner Seite stehen die Statuen der heiligen Johanna von Orleans vorne und Genoveva hinten, wie auch die Ritter Bayard links und du Guesclin rechts.

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Die Basilika Ste. Anne d'Auray

30/08/2017

Wozu die Wallfahrt zur Hl. Anna von Auray ?

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monument.jpgAm Sonntag, den 29. September 1844 gaben sich die Legitimisten, die Anhänger des legitimen Thronerben bei der Hl. Anna von Auray in der Bretagne ein Stelldichein.

Was wollten sie dort zum Ausdruck bringen ? Eine Bittschrift unterzeichnen ?

Sie kamen ganz einfach zum Gebet für den jungen Heinrich V., der an einem 29. September geboren und am 2. Juni zuvor seinem Onkel Ludwig XIX. nachgefolgt war, zusammen !

Warum aber bei der Hl. Anna von Auray ?

Weil dort seit 1628 ein ganz besonderes Band zwischen der königlichen Familie und diesem bescheidenen Ort, wo die hl. Anna vier Jahre zuvor erschienen war, besteht !

Im Jahr 1844 wurde dieses Geschehen erneuert, und eine Wallfahrt ins Leben gerufen, die lange Jahre hindurch aufrechterhalten wurde, jedoch durch die Unbill der Geschichte unterbrochen und 1983 wieder aufgenommen auf Initiative von Herrn Gerhard Saclier de la Bâtie und den UCLF. Heute stellt sie eine der aktivsten Verbindungen, die Frankreich mit der traditionellen Monarchie hat.

« Yvon Nicolazic, fürchtet euch nicht, ich bin Anna, die Mutter Mariens », so wandte sich die hl. Anna an einen bescheidenen Landmann, namens Yvon Nicolazic in der Nacht vom 25. auf den 26. Juli 1624. Von den ersten Worten an ging es ums Wesentliche, was aus Hl. Anna von Auray werden soll : das « Heiligtum der Familien ».

« Gott will, dass ich hier geehrt werde ! »

Am 23. und 24. September werden wir also die hl. Anna hier ehren. Wir werden für unsere Familien beten, die derzeit so sehr bedroht sind.

Wie unsere Vorfahren 1844 werden wir ihr unseren Thronerben und seine Familie anvertrauen. Wir werden sie um Beistand bitten zwecks Erlangung der Gnaden, die für die Ausübung ihrer Mission notwendig sind.

Es lebe der König, Ludwig XX. und die Königin Maria Margarita !

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25/08/2017

Erklärung seiner königlichen Hoheit Prinz Ludwig von Bourbon aus Anlass des Gedenkens an den heiligen Ludwig im Jahr 2017

Prince.pngSehr geehrte Landsleute in Frankreich,


Am 25. August, dem Fest meines Vorfahren, des heiligen Ludwig, der als erster Nicht-Geistlicher heiliggesprochen wurde, der aber auch ein Vorbild für die Herrschenden vor allem hinsichtlich seiner versöhnenden Einflusses war, was er durch Glauben, Machtausübung und Achtung vor dem Menschen bewirkte, können wir uns einmal mehr die Frage nach der Situation Frankreichs stellen.


Fünfzehnhundert Jahre Königtum hatten offensichtlich einen prägenden Einfluss, und verleihen mir die Legitimität, mich im Namen der Tradition auszusprechen, deren Erbe ich bin, um aufzuzeigen, was man auch noch heute und morgen davon mitnehmen kann.


Denn die allgemeinen Unsicherheiten und Fragestellungen nehmen überhand.


Wobei ich mich durchaus an das althergebrachte Benehmen halte und mich jedweder Polemik gegenüber den öffentlichen Personen enthalte und ganz entschieden einen anderen Weg einschlage.


Ich beobachte mit Sorge, dass sich Frankreich einer wachsenden Spannung aussetzt, wobei diese teilweise von außen herrührt. Dies betrifft einmal die Sicherheit, die durch feindliche Kräfte, teils archaischer Praxis mit blinden, barbarischen Gewaltakten mitten in unserer Gesellschaft, gefährdet ist, wie auch die Entwicklung des Kommunitarismus, der die Einheit und Solidarität, also die Stützpfeiler von Frankreichs Verfassung, zerstören.

Aber die Spannungen kommen auch vom Inneren, wenn nämlich Frankreich sich nicht mehr seiner Identität sicher scheint. Von grundloser Reue bis zur Aufgabe der griechisch-lateinischen und christlichen Wurzeln ist das Land außer Tritt geraten und weiß nicht mehr, woher es kommt, und wofür es gekämpft hat.

Daher gewinnt der Zweifel die Oberhand über der Hoffnung. Frankreich scheint Mühe zu haben, sich der Zukunft zu stellen, die die Franzosen insbesondere die jungen Generationen so ernüchtert erwarten. Manche meinen sogar, dass sie keine Zukunft mehr hätten oder nur eine unsichere ungewisse Zukunft. Was für eine grausame, widernatürliche Gesellschaft muss das sein, die eine solche Mutlosigkeit unter den Kindern schafft! Denn die Politik müsste doch ganz im Gegenteil zu Kraft und Hoffnung in der Gemeinschaft und unter den Werktätigen erziehen.

Eine negative oder sogar passive Haltung womöglich mit ewig bedauerndem und resignierendem Blick auf die Vergangenheit ist keinesfalls hilfreich, um die Zukunft zu bewältigen. Dies umso mehr als Frankreich ganz aktuell an der allgemeinen Globalisierung teilhat. Rückwärts schauen anstatt nach vorwärts, sich auf Vergangenes stützen - das wird sich nur zu unserem Nachteil auswirken. Die Könige haben uns ganz im Gegenteil gelehrt, auf Herausforderungen zu reagieren und Umstürze vorwegzunehmen. So haben sie immer wieder außerordentliche Mutproben abgegeben. Finden wir also wieder zu diesem Überwindungsgeist, der sich in den entscheidenden Stunden in Frankreichs Geschichte zeigte, und der noch immer in jedem von uns steckt.

Diesen Geist müssen wir wiederfinden. Das beginnt bei der Jugend, der wir das Vertrauen wieder geben müssen, indem wir auf ihre Bedürfnisse und Erwartungen besser eingehen, und geht weiter mit der Annahme von Gegebenheiten und schließlich mit der neuerlichen Wertschätzung von alltäglichen Dingen sowie einer gewissen Haltung der Dankbarkeit. Meine Reisetätigkeit in Frankreich und die Begegnungen mit den verschiedensten Gruppen übers Jahr zeigen mir, dass all dies möglich ist, auch wenn zuweilen eine Blockadehaltung zur Abschreckung von lobenswerten Initiativen vorzuherrschen scheint. Die neu aufkommende Generation erscheint mir bereits lernfähiger und günstigen Entwicklungen gegenüber förderlicher.

Die Jugend verfügt über Initiative und Schaffenskraft. In den letzten Jahren hat sie enorme Anpassung bewiesen. Dadurch hat sie die Herausforderungen der neuen Technologien mit natürlicher Leichtigkeit und großer Weisheit verstanden und gemeistert. indem sie sich bewusst war, dass ein Werkzeug nicht Selbstzweck ist. Sie hat die Technologie als Mittel zum Fortschritt anzuwenden verstanden. Sie konnte sich dieser Technologie bedienen, um einen neue Wirtschaft herzustellen, neue Dynamik in der Arbeitswelt, um ein Netzwerk zu bilden, das die Menschen auf neue Gegebenheiten und Zeiten sowie auf den nötigen Umweltschutz vorbereitet. Insbesondere stellt sie sich nicht dumm an, wenn es um Grenzen geht, damit sich die Technologie in den Dienst des Menschen und des Alltemeinwohls und nicht als dessen Gegenteil (heraus-) stellt. Sie ist total bodenständig und am Puls der Zeit, und will nicht deren Sklave sein. Diesbezüglich ist sie der Zeit voraus und tonangebend bei der Erweckung und Erklärung unserer Gesellschaft.

Diese Jugend hat außerdem größte Dynamik, Großzügigkeit und Belastbarkeit im Kampf der Zivilisation bei wichtigen Dingen, wie der Verteidigung und Bewahrung des menschlichen Lebens in seiner Vollständigkeit von der Zeugung bis zum Tod, der Verteidigung der Familie, aus Vater, Mutter und Kindern bestehend, als kleinster Zelle jeder humanen Gesellschaft gezeigt. Die Jungen finden sich auch bei der Verteidigung des Glaubens und der christlichen Werte wieder, indem sie beispielsweise den Christen im Nahen Osten in ihrer durch eine barbarische Ideologie bedrohten Existenz Hilfe und Assistenz leisten.

Dies sind also die wesentlichen Dinge und die Hoffnungsträger. Diese neue Gesellschaft verwirrt vielleicht die älteren Generationen, und im Unterschied zu den jüngeren ist sie überaus ängstlich und entgeistert, weil sie dies unumwunden zuließen. Aber dieser Wandel ist den vergangenen gleich. Stellen wir uns den Übergang von der bäuerlichen zur industriellen Umwelt Mitte des 19. Jahrhunderts vor; oder dreihundert Jahre vorher jenen von einer feudalen Gesellschaft zur Renaissance. Jedes Mal brachte dies eine Umwälzung einer Reihe von Sicherheiten und Bewahrung von erworbenen Rechten mit sich, und die neue Generation nahm sie ermutigt durch ihre Vorrechte begeistert in Besitz. Ich persönlich unterhalte mich gerne mit den jungen Unternehmern von heute, denn sie scheinen mir total in der französischen Tradition zu stehen, die darin besteht, vorwärtszukommen. In der Vergangenheit konnte Frankreich aus deiesem Geist heraus mit seiner gesellschaftlichen Vorbilidrolle punkten. Was gestern bedeutsam war, ist es heute in unserer globalisierten Gesellschaft umso mehr. Aber man muss auch vernünftig und vorsichtig gegenüber gewissen Machenschaften bleiben. Wie man auch jede Manipulation gegen die Natur zurückweisen und aufpassen muss, dass man nicht eine Gesellschaft von zwei Geschwindigkeiten schafft, die bei Zutreffen zu Recht kritisiert wird. Der Erfolg des einen darf nicht auf dem Rücken des anderen erfolgen. Ein Land ist auch immer eine gemeinschaftliches Unternehmen. Es darf keiner auf der Strecke bleiben. Das wäre nicht im Sinne der französischen Tradition. Frankreich war immer das Land des gesellschaftlichen Motors. Macht hat also Verantwortung, insbesondere auf dem Gebiet der Bildung - jedem zu erteilen, gemäß seinen Talenten, damit er sich entwickeln kann - und Erziehung, unter gleichzeitiger Berücksichtigung auf lebendige Anschaulichkeit, damit nicht nur einfach Wissen angesammelt wird, sondern auch eine gewisse Ethik, die aus einem Jugendlichen einen verantwortungsbewussten Erwachsenen macht. Das ist es, was auch meine Frau und ich den Kindern vermitteln wollen. Diese Beseeltheit scheint mir vonnöten. In den letzten Jahrzehnten hat man dieses Zeil zweifellos vernachlässigt, indem man zu sehr auf die materiellen Werte aus war, den Konsum und schnellen Gewinn. Aber der Mensch besteht nicht nur aus Körper, dessen Bedürfnisse es schnell zu befriedigen gilt und der nach immer mehr Rechten schreit, wobei er die Pflichten gegenüber dem Nächsten, insbesondere dem Schwächsten vergisst. Die jungen Erwachsenen haben ständig die Sinngebung, das sich Einschränken und höhere Werte vor Augen. Auf diese Weise wird die Gesellschaft von heute und morgen zu einer von guten Geistern erfüllten.

Solcherart wird es wieder zu einem Gefühl der Solidarität und des Gemeinwohls als Motor des politischen und gesellschaftlichen Handelns kommen müssen. Ein solcher Antrieb ist eines Menschen würdig, eines vollkommenen Menschen, der aus Körper und Geist besteht, also des wahren Maßes beim Politik Machen. Es ist nicht zufällig, dass die zwei bei den Franzosen beliebtesten Könige der heilige Ludwig und Heinrich IV. sind. Ersterer hat Gerechtigkeit geübt in einer Zeit, als sehr oft noch Gewalt über Gerechtigkeit herrschte; Zweiterer gab vor allen anderen dem Volk Frieden und Wohlstand.

Es steht jedem zu, nach seiner Facon glücklich zu werden. Wenn es auch Institutionen gibt, die dabei behilflich sein können, so sind es letztlich die Männer und Frauen, die durch ihre Arbeit, Einsatzbereitschaft und manchmal auch Aufopferung dieses tatsächlich durchsetzen. Wir sehen das im Moment ganz besonders an der Bedrohung von außen, dem sich das Land wie ganz Europa ausgesetzt sieht. Es sind weder Worte noch Gesten der Anteilnahme,die die Gefahr beseitigen können, sondern nur gezielte Maßnahmen vor Ort und manchmal hilft leider nur mehr der aufopfernde Einsatz unserer Soldaten. Wir verstehen also sehr gut den Sinn einer Aktion, die den Menschen zum Ziel hat, denn beim gefahrvollen Einsatz von Menschenleben handelt es sich nicht um Befriedigung materieller Bedürfnisse, sondern um die ganz bewusste Verteidigung der Zivilisation, unseres materiellen und spirituellen Vaterlandes und natürlich unserer Frauen und Kinder, und das ist preislos...

Indem man den Unternehmergeist und den zu erzielenden Fortschritt für das Gemeinwohl mit dem Willen seine Identität und Wurzeln zu wahren sowie sein Schicksal zu meistern, verbindet, wird Frankreich wieder Geschmack an der Gestaltung seiner Zukunft finden, was ihm wiederum zur Ehre gereichen wird, die aus ihm eine großes Land gemacht hat, das zum Vorbild für die Welt wurde, einem Vorbild, zu dem man erwartungsvoll aufblickt. So wie es seine Könige haben wollten. So wie es die Fürsprache des heiligen Ludwig, dessen 720. Jahrestag seiner Heiligsprechung wir am 11. August feierten, für morgen hoffen lässt.

Ludwig von Bourbon, Herzog von Anjou

(übersetzung K.Hoitsch)

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19/07/2017

18. Juli 1909 Hinscheiden von Karl XI. von Bourbon

Sein Testament war in vorbildlichem Ton verfasst und bezeugt seine Treue gegenüber Frankreich.

« Auch wenn mein Lebensmittelpunkt in Spanien war, so war ich doch von meiner Geburt her Frankreich gegenüber verpflichtet, Heimstätte meiner Familie. Für sie wahre ich die Rechte, die mir als Chef und Ältestem des Hauses zustehen. Ich rate meinen Nachfolgern, sie nicht aufzugeben. »

Zum Zeitpunkt der Trennung von Staat und Kirche unterzeichnete er ein Manifest am 16. März 1906.

« Als Ältester in der Königslinie und Nachfolger der Salier durch das Primigeniturrecht von meinem Onkel Heinrich V. Kann ich nicht länger untätig zusehen, wie man gegen die Religion und Seine Heiligkeit Pius X. Anschläge verübt. Ich erhebe die Stimme, um mit aller Macht meiner christlichen Seele eines Bourbonen gegen die Trennung zu protestieren. »

Und er setzt fort :

« Katholiken in Frankreich, die Zukunft Frankreichs ist in euren Händen, befreit euch also vom freimaurerischen und satanischen Joch, indem ihr euch freimütig und innigst auf das besinnt, was euch ausmacht, die wahre christliche Tradition der Nation, deren einziger Vertreter durch Geburt und daher durch den Willen Gottes ich bin. »

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